Was ist das nur für ein Typ - dieser Marcellus Adonis Narrat, der beim Abendessen in der Psycho-Villa aufgetaucht ist? Uri Nachtigall ist er nicht ganz geheuer. Bei Bellarosa im Hattinger Wald hingegen scheint es gemütlich und unterhaltsam zu sein. SOKRATES Teil 174:

Uri Bülbül
Basti hatte auch eine Menge zu erzählen, er hörte auf jeden Fall auf, bohrende Fragen an Bellarosa zu stellen, weil auch er bemerkt hatte, dass es ihrer Gastgeberin damit gar nicht gut ging. Stattdessen erzählte er davon, dass er am liebsten auch hier irgendwo in Bellarosas Nähe am Bassin in einem Haus ganz aus Käse wohnen und sich dann Käsedreieck-Dreieckkäse* nennen würde. Bastis Erzählungen zauberten Lara ein Lächeln auf die Lippen und sie vergaß darüber schon fast ihr Heimweh. Auch wenn Bellarosa zunächst skeptisch die Augenbrauen hoch zog, kam auch eine gewisse Heiterkeit in ihre Miene. Basti wurde ganz redselig und erzählte schier schwärmerisch, was er sich wünschte, wo sie lebten und dass «die ganzen Leute von der Villa irgendwann mit einem Schiff auf dem Meer rumfahren»* sollten, «und das Schiff hört dann plötzlich 50 Meter vor einer Insel auf, zu fahren und geht anschließend unter und dann schwimmen alle zu der einsamen Insel hin... und auf der Insel ist Dschungel und Strand, also in der Mitte Dschungel und am Rand Strand und ich suche mir in dem Dschungel den größten Baum aus und baue da ein Baumhaus drauf und Rufus findet ein paar wildlebende rosa Schweine und immer wenn wir Hunger haben, grillt Rufus so eins»*. Basti ließ seinen Wünschen und seiner Phantasie freien Lauf. Warum sollten nicht alle Bewohner der Psycho-Villa in einem Ausflug in eine Robinsonade verwickelt werden? Da durfte natürlich eine Schwester Maja nicht fehlen. Als der Name Rufus fiel krampfte sich für eine kurze Sekunde Bellarosas Magen. Aber noch bevor es jemandem auffallen konnte, gingen Gespräch und Thema weiter und der Krampf verflog. «Und Schwester Lapidaria ist zuständig für Obst suchen und wird dabei von einer pinken Riesenschlange mit grünen Punkten gefressen, aber danach direkt wieder ausgespuckt und die Schlange stirbt direkt danach und wird dann von einem Adler aufgehoben und weggeflogen und über dem Meer fallen gelassen», erzählte Basti. Lara konnte ihr Lachen nicht zurückhalten: «Warum stirbt die Schlange und nicht Schwester Maja?» Basti musste darauf nicht lange überlegen: «Ich möchte nicht, dass jemand stirbt»*, antwortete er mit großem Ernst. Und mit ebenso großem Ernst und großer Aufmerksamkeit, die sie ausstrahlte, beobachtete Bellarosa die beiden Jugendlichen. «Niemand?» fragte Lara. «Und was ist mit der pinken Riesenschlange?» «Sie hätte Lapidaria nicht essen dürfen!» konterte Basti. Überraschenderweise biss sich Lara sanft aber sicher an diesem Thema fest: «Die Schwester liegt einem nun mal schwer im Magen und wurde ja dann auch sofort wieder ausgespuckt. Also sollte die pinke Riesenschlange auch nicht sterben, finde ich. Der Adler kann sie ja trotzdem mitnehmen und vom Himmel wieder fallen lassen. Das könnte sie auch überleben: entweder fällt sie ins Meer oder sie fällt irgendwo an Land über einem Wald. Sie verfängt sich in den Baumwipfeln und schlängelt sich wieder nach unten.»
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* @Maulwurfkuchen

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