Wir sind mit Lara und Basti im phantastischen Hattinger Wald; es ist Nacht. In der Psycho-Villa hingegen ist nicht nur ein seltsamer steinalter Mann aufgetaucht, sondern es kommen nun zwei Polizisten in den Speisesaal, aber greifen wir nicht vor! SOKRATES Teil 175:

Uri Bülbül
Diese Idee gefiel Basti und er griff sie zur Weiterführung für sich auf: «Ja, das ist gut. Sie landet hier irgendwo im Hattinger Wald und wenn wir ganz viel Glück haben, begegnen wir ihr morgen auf dem Heimweg. Und dann werde ich der pinken Riesenschlange mit den grünen Punkten sagen, dass sie auf gar keinen Fall Rudi aufessen darf.» Das war schon ganz in Ordnung in den Augen der beiden Frauen, aber Lara noch nicht ganz zufrieden. «Aber was ist nur mit den Schweinen? Warum darf Rufus sie grillen?» «Ich möchte auch leckeres Grillfleisch zum Essen», sagte Basti. Bellarosa lachte: «Würdest du deine Freunde auch grillen, wenn sie lecker schmeckten? Vielleicht schmeckt Rudi ja auch lecker?» «Nein, daran denke ich nicht einmal! Rudi ist mein Freund!» protestierte Basti. «Na dann, hoffentlich freundest du dich nicht mit den rosa Schweinchen an», sagte die Gastgeberin, während sie aufstand. «Es ist jetzt spät und Zeit ins Bett zu gehen! Euer Zimmer ist im Turm schräg über uns. Ich schlafe im Nachbarzimmer von hier. Es ist doch in Ordnung, dass ihr beide in einem Zimmer schlaft, oder?» fragte sie Richtung Lara. Sie nickte. «Solange jeder sein eigenes Bett hat und Basti mich nicht auf den Grill legen will» zwinkerte sie Bellarosa zu. Die Frauen lachten und Basti nahm Rudi auf den Arm. «Rudi darf bei mir im Bett schlafen», erklärte er hoch feierlich. Das Turmzimmer war sehr gemütlich und warm; darin gab es zwei voneinander getrennte bequeme, kuschelige Betten, in der Mitte einen runden blauen Tisch, auf dem eine Öllampe stand; an den Betten waren Nachttischchen mit blauen Lampen und auch an der Decke hing eine Lampe mit einem blauen ballonartigen Lampenschirm. «So viel Blau», staunte Basti. Kurze Zweit später lagen sie in ihren Betten und schliefen ein. In Bastis Bett machte es sich, wie von Basti angekündigt und gewünscht Rudi ebenfalls gemütlich. Basti streichelte noch im Halbschlaf Rudis borstiges Fell, bevor er gänzlich wegdämmerte. Vom Fenster, von dem aus man auf den Bassin sehen konnte, warf der Mond etwas Licht ins Zimmer. Ein wenig raschelten die Bäume, durch deren Blätter der Wind fuhr und schaukelte die blaue Ballonlampe. Zunächst war das eine kaum merkliche Bewegung, die auch ein Schattenspiel hätte sein können. Doch dann bewegte sie sich deutlicher und eigentlich mehr als der leichte Luftzug sie hätte bewegen können. Es schien, als habe die Lampe ein Eigenleben oder genauer, als lebe etwas in der Lampe und bewege sie, als wolle es heraus aus diesem von der Decke baumelnden blauen Ballon. Basti bemerkte diese Bewegung und konnte seinen Blick nicht mehr von der Lampe lassen. Eines wurde ihm schlagartig klar: das war keine Ballonlampe; es war ein großes, blaues, fast rundes Ei. Und dieses Schaukeln kündigte die Ankunft eines neuen Erdenwesens an. Unwillkürlich tastete seine Hand nach Rudi und wurde beim Tasten schneller und hektischer, weil die erwartete Berührung des borstigen Fells ausblieb. Rudis Platz im Bett war leer.

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