Zum Abschluss des alten Tages und Anbruch des neuen eine weitere Folge SOKRATES. Ein Bericht von der Schicht zweier Wachtmeister. In der Frühe geht ihr Arbeitstag zu Ende, ihre Fragen aber bleiben offen. Teil 177:

Uri Bülbül
Um 6.00 Uhr in der Frühe hatten die beiden Wachtmeister Robert Kruse und Dietmar Winkelmann Feierabend und eine sehr anstrengende wie seltsame Schicht hinter sich. Schon der Unfall, mit dem ihre Schicht begann, war äußerst seltsam gewesen. Ihre Kollegin, die Kommissarin Johanna Metzger war in einem Waldstück vom Weg abgekommen und gegen einen Baum gerast. Sie konnte nur sehr schwer verletzt aus dem Auto mit Hilfe der Feuerwehr geborgen werden. Ob sie überleben oder ihren Verletzungen erliegen würde, stand in den Sternen. Am Unfallort trafen sie auf einen Mann, der sich als Gärtner und Hausmeister des Psychiatrischen Sanatoriums eines gewissen Doctor Parranoia ausgab; dessen Name sich aber lediglich als Nickname auf der Internetplattform www.ask.fm herausstellte. In der Villa hingegen stießen sie auf die jüngere Schwester der Kommissarin Luisa Metzger, die sie über den Unfall ihrer Schwester benachrichtigten. Ein alter Mann, der nach Angaben der Krankenschwester ein Freund des Anstaltleiters war, über den man nichts weiter als diesen Nickname herausbekam, nahm sich des Mädchens an, das in Tränen ausbrach und dringend Betreuung brauchte. Zum Glück waren sie ja schon in der Psychiatrie, so dass ihr sofort mit einer Beruhigungsspritze geholfen werden konnte, die ihr ein Doktor Zodiac verabreichte. Auch ein Mann namens Uri Nachtigall kümmerte sich besorgt und rührend um Luisa Metzger. Der Freund des Anstaltleiters aber schien das nicht gerne zu sehen. Verwirrt suchte dieser Nachtigall nach seinen Autoschlüsseln, um Luisa Metzger ins Krankenhaus zu fahren. Aber Schwester Maja und Herr Narrat, der steinalte Mann, wiegelten ab, er solle die Angelegenheit ruhig ihnen überlassen. Dann kümmerte sich Herr Narrat um eine Fahrgelegenheit; denn er hatte eine Limousine mit Chauffeur zu seiner Verfügung, mit der er sofort Luisa ins Krankenhaus fahren lassen konnte. Die Überprüfung der Papiere des Gärtners ergab nichts Auffälliges. Wachtmeister Kruse aber ließ die Möglichkeit keine Ruhe, dass die Kommissarin jemand verfolgt hatte, als sie verunglückte. Sie fuhren den Waldweg ab, überprüften die Gegend, so gut sie konnten. Doch das Einzige, worauf sie stießen, war ein Förster mit einem Rudel Jagdhunde, der ihnen versichern konnte, dass niemand vorbei gekommen war. «Komm, Robert, lass uns auf die Wache fahren. So kommen wir nicht weiter!» schlug der zweite Wachtmeister vor, wenngleich auch er mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein konnte. Sie gaben per Funk ihren Standort durch und fuhren los. «Dieser Waldweg ist ganz schön unheimlich», sagte Robert Kruse, während er noch immer mit den Augen die Strecke absuchte, ob er nicht doch noch etwas Erhellendes entdeckte. Ihr nächster Einsatz stand noch stärker unter dem Zeichen der seltsamen Begebenheiten. Sie wurden in die Nähe der Nordstadt gerufen, wo Passanten gesehen haben wollten, dass jemand vom Balkon im zehnten Stock eines Hochhauses gesprungen war. Von diesem Menschen aber fehlte jede Spur.

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