Niklas mit sich allein. Eine große Innenansicht wird er uns nicht offenbaren. Und wer weiß, ob er es wirklich schafft, dahinter zu kommen, was es mit "Kairos" auf sich hat. Lara und Basti erleben bange Augenblicke im Turmzimmer. SOKRATES Teil 181:

Uri Bülbül
Schon treibt einen irgendetwas um – man fühlt sich am Schreibtisch einsam und denkt: das kann doch nicht alles sein – ein Buch schreiben! Ich muss raus, ich muss unter Leute, vielleicht an die Uni, ich könnte ja dort auch mal...». Er machte eine Pause. Irgendetwas stimmte mit seinem Computer nicht oder mit dem Internet. Er checkte den Router. Dieser schien in Ordnung. Aber woher wusste man das? Eine Reihe grün leuchtender Lämpchen und schon hielt man das Gerät für in Ordnung. Aber wenn er es aufschrauben und einen Blick auf die Platine oder auf die Anschlüsse werfen würde, würde er nichts sehen. Er hatte schlichtweg keine Ahnung davon. Aber selbst Leute, die von sich behaupteten, Ahnung von Elektronik zu haben, tauschten manchmal eine Platine einfach nur gegen eine andere aus, weil man angeblich kleinere Fehler sowieso nicht finden konnte oder es zu viel Zeit in Anspruch nahm. «Ich habe keine Elektronik, Informatik, Elektrotechnik oder ähnliches studiert. Ich habe schlicht keine Ahnung von Leiterplatten, Widerständen, Dioden, Transformatoren, Transistoren» – war das alles eigentlich auf einer Leiterplatte zu finden? Immerhin kannte er die Internetplattform www.heise.de Das konnte auch nicht jeder von sich behaupten! Er startete seinen Computer neu. So etwas wirkt meistens wunder. «Alles fängt im Arbeitsspeicher bei Null an, es wird tabula rasa im Hirn gemacht und schon wird alles wieder gut.» Das war eine andere Welt, da galten andere Regeln. Die Fehlfunktionen in seiner Persönlichkeit oder in seinem Bewusstsein oder wie man den Arbeitsspeicher unter der Schädeldecke noch nennen sollte, konnte man nicht einfach mit einem Reset beheben. Und es lief schon seit einiger Zeit einiges gehörig daneben.
Rudi ließ sich von Basti auf den Arm nehmen, streicheln, wieder ins Bett zurück tragen. Die beiden so inniglich vertraut miteinander zu sehen beruhigte Lara, zauberte ihr ein Lächeln auf die Lippen, obwohl sie noch von den gehörten Schreien schreckensbleich war. Sie horchte konzentriert in die Nacht, aber es war still geworden. Sie wollte dennoch einmal hinaus gehen und nachsehen, ob sie jemanden oder irgendetwas entdecken konnte. Aber Basti fragte: «Was hast du vor?» Und seine Frage klang dabei sowohl besorgt als auch ein bißchen vorwurfsvoll. «Ich will mal draußen nachsehen, ob ich jemanden oder irgendetwas entdecken kann!» «Ich würde lieber hier bleiben. Wenn dort draußen irgendwo Gefahr lauert, dann wirst du in der Dunkelheit schnell ihr Opfer. Hier drinnen sind wir sicherer! Was da draußen auch ist, es wird sich nicht ohne Weiteres hier in das Turmzimmer trauen. Dort draußen aber hat es Heimspiel. Und du kannst sowieso niemandem helfen!» Lara stand aufgrund dieser Einwände unentschlossen an der Tür. So Unrecht hatte Basti nicht. Aber konnte einfach nichts tun das Richtige sein? Sie sah sich suchend im Zimmer nach etwas um, was als Hieb- und Schlagwaffe zur Verteidigung dienen konnte.

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