Ich werfe jetzt lieber mal einen Blick in das Turmzimmer und erzähle, was Lara und Basti machen. Woher können die Schreie nur kommen, die ihnen den Schlaf und den Atem rauben? SOKRATES Teil 182:

Uri Bülbül
«Bitte, geh nicht hinaus! Was soll ich nur deiner Mutter erzählen, wenn dir etwas zustößt?» Basti überraschte Lara und machte sie ratlos. Aber es hatte etwas Überzeugendes, was er sagte. Nur war sie sich nicht sicher, ob er das ernst meinte oder nur sagte, weil er selbst große Angst hatte.
«Hast du Angst um mich? Oder hast du Angst, alleine zu bleiben?» fragte Lara. «Angst, alleine zu bleiben? Aber Rudi ist doch bei mir! Ich habe gesagt, was sein kann: dass nämlich du da draußen ungeschützt bist! Wenn da eine Gefahr ist, dann lauert sie nur darauf, dass du raus kommst und ihr in die Falle gehst.» «Was können wir aber machen, wenn diese Gefahr nicht draußen bleibt, sondern zu uns kommt?» Darauf hatte Basti erstaunlich gelassen eine ziemlich durchschlagende Antwort: «Dann werde ich uns wohl beschützen müssen.» Plötzlich hatte er einen Revolver in der Hand. Lara war erschrocken und erleichtert zugleich. «Wow! Ich dachte, die Polizistin hätte sie dir abgenommen!» «Hat sie auch, aber ich kenne ein Versteck im Wald, wo es ganz viele von diesen und anderen Waffen gibt und eine Menge Munition dazu!» «Wer versteckt denn eine Waffenkiste im Wald?» staunte Lara. Basti steckte den Revolver wieder ein, während er die Achseln zuckte. Erleichtert sah er, wie sie einen Stuhl vor die Tür rückte und unter die Türklinge schob, so dass sich die Tür verkantete. Danach sprang sie ins Bett: «Okay, wollen wir mal sehen, was uns der kommende Tag so bringt. Bei Sonnenschein sieht doch alles wieder ganz anders aus! Jetzt ist es ja auch still geworden.» Sie saßen in ihren Betten, schwiegen und warteten, doch bald wurden sie des Wartens müde und dann schläfrig. Basti kuschelte sich an Rudi, worauf er kurz darauf wieder einschlief. Auch Lara blieb nicht lange wach. Es waren keine Schreie oder anderen beunruhigenden Geräusche mehr zu hören; so schlummerte sie auch wieder ein. Einen unruhigen und schreckhaften Schlaf hatte sie, träumte irgendetwas, woran sie sich nicht erinnern konnte. Schatten rappelten geräuschlos an der Tür, verschoben den Stuhl, schlichen um den Tisch. Und verwundert fragte sich Lara im Schlaf, wie man nur geräuschlos rappeln konnte. Denn sie hörte nichts.
Basti träumte davon, dass er als Delphin in einem grünlich schimmernden Gewässer gemütlich schwamm und in die Tiefen tauchte, die aber sehr dunkel waren. Wenn er nach oben sah, blickte er auf die gebrochenen verspielten Spiegelungen eines Sternenhimmels und des Vollmonds über den Baumwipfeln. «Ist denn heute wirklich Vollmond?» fragte er sich im Traum. «Das ist mir gar nicht aufgefallen.» An ihn gekuschelt schlief Rudi, der Spaltrüssler und wärmte ihn mit seinem Fell und ruhigen Atem angenehm, so dass sich das Wasser, was eigentlich das Wasser des großen Bassins in Bellarosas Wald war, allmählich von Grün ins Blau färbte und zugleich immer heller wurde. Basti konnte nun in der Tiefe Korallen und bunte Korallenfische sehen. Irgendetwas aber beunruhigte ihn.

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