Wow, Flüchtlinge, Bombardements, Anschläge, Selbstmordattentate, Staatsterror, ertrinkende Menschen - die Gemüter bleiben kühl; ein Beitrag über Veganismus und auf dem profil tobt der Bär. Zeit, sich wieder dem fiktiven Wahnsinn zu widmen: das Leib-Seele-Problem in SOKRATES Teil 187:

Uri Bülbül
«Wenn es eine ausgedehnte und eine rein geistige Substanz gibt und diese beiden Substanzen essentiell unterschiedlich sind, erscheint mir doch die Frage durchaus berechtigt, wie die eine Substanz die andere Substanz beeinflussen kann.» «Basti hat Recht; ich muss unbedingt herausbekommen, wer uns schreibt!» murmelte der Theaterphilosoph vor sich hin. Er warf einen Blick auf den jungen Mann, der neben ihm ging, um sich zu vergewissern, dass er keine Halluzination war. «Das ist doch eine Versuchung», sagte er sich still und heimlich. «Das muss eine Versuchung sein! Jemand – eine höhere Macht will meinen Verstand auf die Probe stellen, auf seine Belastbarkeit prüfen! Und dieser junge Mann ist ein Teil des Plans.» Natürlich konnte er diese schier paranoide These selbst nicht ganz ernst nehmen. Aber in was für eine Geschichte war er da bloß hineingeraten? «Ich habe eine Idee», platzte es plötzlich aus @Gedankenkammer heraus. «Was für eine Idee? Betrifft es den „Geisterseher“?» fragte Uri, ohne dabei den Sarkasmus auch nur halbwegs kaschieren zu wollen? @Gedankenkammer überhörte den sarkastischen Ton –von „Unterton“ konnte ja wohl kaum die Rede sein!- oder aber er war so neurotisch, dass daraus auch Wahrnehmungsstörungen im sozialen Umgang erwuchsen! «Sie könnten doch den Motorroller nehmen, mit dem Luisa hier angekommen ist! Er ist vollgetankt und fahrbereit. Wenn Sie Roller fahren können, können Sie sofort losfahren!» «Ja, ich habe auch einen Motorradführerschein!» erwiderte der Theaterphilosoph mit einem Stolz, als wäre das sein Abschlusszeugnis in Sachen Lebenstüchtigkeit. «Umso besser!» rief @Gedankenkammer. «Kommen Sie! Ich zeige Ihnen, wo der Roller steht.» Der Theaterphilosoph winkte ab: «Danke. Aber ich will erst einmal meinen Schlüsselbund finden und mein Auto! Vielleicht packe ich dann auch gleich meine Sachen und fahre einfach wieder nach Hause!» «Sie würden alles einfach hinter sich lassen und wegfahren?» fragte Benjamin @Gedankenkammer schier fassungslos. «Aber nein! So etwas würde ich niemals tun. Ich fühle mich den Schicksalen in dieser Villa zutiefst verbunden und möchte unbedingt erfahren, wie es mit ihnen weitergeht.» @Gedankenkammer war sehr wohl in der Lage, Ironie und Sarkasmus zu erkennen. Aber er war nicht in der Lage, seine furchtbare Enttäuschung zu verbergen. «Das hätte ich von einem Philosophen niemals gedacht! Sie sind ja einfach nur dumm und arrogant! Sie sind eben nur ein Theaterphilosoph, eine Rolle, eine Maske, eine Denkerpose – mehr nicht!» Sie waren fast schon wieder am Haupteingang der Villa angekommen. Nachdem er zu Ende gesprochen hatte, ließ Benjamin Uri Nachtigall stehen und rannte eiligst ins Haus. Im Flur wäre er beinahe mit Schwester Maja zusammengestoßen. Sie sprang zur Seite und stieß einen kurzen schrillen Schrei aus, der mehr gespielt als ernst gemeint war. Benjamin aber rannte, ohne die Schwester weiter zu beachten, die Treppen hoch in sein Zimmer. Schwester Maja sah ihm nachdenklich hinterher.

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