Induzierte Halluzination bzw. Wahrnehmung - das ist nicht einfach ein Fingerzeig: schau mal, ich sehe etwas, was du nicht siehst! Und dann habe ich die Frage, ob ich Dostojewkij weiterempfehlen kann. Ja, auf jeden Fall. SOKRATES Teil 189:

Uri Bülbül
«Sie müssen mir nicht folgen, Herr Nachtigall! Gehen Sie in Ihr Zimmer und sehen Sie noch einmal dort nach, wo die Schlüssel sein könnten. Vielleicht in ihrer Schreibtischschublade, auf dem Nachttisch, in der Nachttischschublade oder auf dem Schreibtisch! Und Ihr Auto steht auf dem Parkplatz hinter dem Haus! Am Wegrand ist das Dauerparken nicht erwünscht! Ach noch etwas! Haben Sie schon mal etwas von „induzierten Wahrnehmungsstörungen“ und „induzierten Halluzinationen“ gehört? Sie sollten sich damit beschäftigen! Aber seien Sie sich über eines ganz im klaren: ICH dulde keine Unruhe in diesem Haus! Und keine Beunruhigung unserer Gäste! Haben wir uns verstanden?» Kurz kochte in ihm die Wut. Dieser autoritäre Ton war absolut unangebracht. Er war nicht gewillt, ihn sich gefallen zu lassen. Mit einer Mischung aus Amüsement und leichter Überraschung sah Schwester Maja ihn an: wollte dieser pseudointellektuelle Taugenichts am Rande der Gesellschaft es tatsächlich wagen, zu rebellieren? Er hatte ihren Blick bemerkt: «Unruhe, Schwester? Aber nein. Ich bitte Sie. In der Ruhe liegt die Kraft. Ich werde meine Schlüssel schon finden. Sicherlich habe ich sie nur übersehen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.» «Danke. Und wenn Sie jetzt noch wegzufahren gedenken, nehmen Sie einen Hausschlüssel mit, sonst kommen Sie nicht mehr ins Haus! In einer Stunde schließe ich die Haustür ab.» Er wollte etwas sagen, aber sie ließ es nicht zu. Aus ihrem Büro holte sie von einem Schlüsselhaken einen Schlüssel an einem Anhänger mit einem silbernen Flügelhelm. Als sie ihm den Schlüssel überreichte, kam nur noch ein abschließendes «Guten Abend!» über ihre Lippen. Damit schloss sie ihm ihre Bürotür vor der Nase zu. Neben dem Schwesternzimmer im Erdgeschoss verfügte sie also über ein weiteres Zimmer in der Villa. Er hätte noch gerne gewusst, ob sie hier übernachtete oder nach Hause fuhr. Aber das war nur eine Nebensächlichkeit. Nicht unzufrieden mit seinem erreichten Ergebnis ging Uri Nachtigall in sein Zimmer, und tatsächlich! Da lagen seine Schlüssel auf dem Nachttisch. «Wie konnte ich nur sie übersehen?» fragte er sich. «Hat jemand, während ich mit Benjamin unterwegs war, den Schlüsselbund heimlich auf meinen Nachttisch gelegt? Wie wahrscheinlich ist das? Warum legt er den Schlüssel ausgerechnet dann zurück, wenn ich ihn vermisse? Und woher weiß er, dass ich ausgerechnet jetzt den Schlüssel vermisse? Warum finde ich den Schlüsselbund nicht erst morgen nach dem Aufwachen neben mir auf meinem Nachttisch?» Er warf den Schlüsselbund in der Hand einen Blick auf seinen Computer. «Induzierte Halluzinationen? Warum sagt sie, dass ich mich damit beschäftigen soll? Jetzt nicht! Ich werde erst einmal nachsehen, ob mein Auto inzwischen schon auf dem Parkplatz steht. Wenn die Schlüssel so plötzlich auftauchen, kann das Auto ja ebenfalls plötzlich auf dem Parkplatz stehen.»

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