Das SOKRATES-Buch hätte eigentlich nach der Anzahl der neuen Folgen seit Bd.1 schon erscheinen können. Aber ich will ein paar Fäden zu Ende spinnen. Dann erst gibt es den nächsten Band. Jetzt aber Folge 207:

Uri Bülbül
Auch dafür erntete der Bulle Lob. «Sehr gut, Ross, sehr gut. Sie werden mir immer sympathischer. Sie dürften zwar mit mir über den Fall sprechen, sie müssten es sogar. Aber das können Sie selbstverständlich nicht wissen, bis ich Ihnen offiziell von Ihrem Dienststellenleiter vorgestellt werde.» «Und daran werde ich mich halten», brummte der Kommissar. Der Methusalem wollte ihm einfach nur Honig um den Bart schmieren. Nein, das zog bei Alfred Ross nicht. In dieser Angelegenheit musste der Alte den Dienstweg auf jeden Fall einhalten. Der Kommissar blieb eisern und hätte schwören können, dass sich Narrat nicht an seine Vorgesetzten wandte. «Sie hören noch von mir», sagte er zum Abschied, als sie wieder auf der Intensivstation waren. Alfred Ross hatte der Kleinen seine Visitenkarte in die Hand gedrückt und ihr versichert, sie könne ihn jederzeit, wirklich jederzeit, Tag und Nacht anrufen. Luisa bedankte sich teilnahmslos, während sie sich an Marcellus Adonis Narrat schmiegte, der seinen Arm um ihre Schultern gelegt hatte. «Komm, Liebes!» sagte er zärtlich zu Luisa und zu Alfred Ross: «Sie hören noch von mir!» Falls das eine Drohung sein sollte, ganz gleich wie gefährlich dieser alte rätselhafte Mann sein mochte, so ganz hatte er den Kommissar nicht eingeschüchtert: «Na dann, auf Wiederhören», sagte er gelassen. Während der Alte mit Luisa davonzog, beschloss Ross sofort ins Präsidium zu fahren und zu recherchieren. Das war verlorene Zeit und verlorene Mühe, wie es ich bald heraus stellen sollte. Aber da war es dann auch schon zu spät. In seinem Polizeicomputer fand er, egal, welche Datenbank er aufrief, nichts und niemanden namens Marcellus Adonis Narrat. Auch das Organigramm des Innenministeriums wies keinen Narrat auf. Ross versuchte es sogar mit dem Bundesinnenministerium und fand auch dort keinen Narrat. Sollte er auf eine derart dreiste Weise von einem Betrüger verschaukelt worden sein? Wütend sprang er von seinem Schreibtischstuhl auf! Was sollte er nun unternehmen? Hatte er irgendeine rechtliche Handhabe gegen diesen alten Sack? Auf jeden Fall hatte er nun plötzlich das Gefühl, dass auch Gefahr im Verzug sein könnte. Eiligst griff er zum Telefon; wählte Luisas Handynummer und hatte nur die Mailbox im Ohr! «Verdammt! Verdammt!» schrie er im Auf- und Abgang im Büro, trat gegen den Papierkorb, dass er im hohen Bogen gegen die Wand flog. Was wusste er über Adonis Narrat? Kaum mehr als, dass Luisa ihn in der Psycho-Villa kennengelernt hatte! Da läuteten bei ihm ganz fürchterlich schrill die Alarmglocken. War vielleicht Johanna deswegen mit Blaulicht unterwegs gewesen, um ihre Schwester vor diesem Kerl zu retten? Hatte er irgendetwas mit dem alten Metzger zu tun? Er musste ganz schnell handeln. Wieder griff er nach dem Telefon, wählte dieses Mal die Einsatzzentrale. «Schickt bitte schnell einen Streifenwagen zur Wohnung der Kollegin Metzger; sie sollen die Schwester mitnehmen und zu mir bringen. Sofort! Ihre Schwester ist aus dem Koma erwacht.»

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