Der Mai hat nur noch 5 Tage, und es stehen noch 3 SOKRATES-Folgen für Mai aus. Ein Fall für Hauptkommissar Alfred Ross, wenn er denn an Nadia Shirayuki vorbei kommt^^ Folge 208:

Uri Bülbül
Keine zehn Minuten später meldete der Streifenwagen Ross, es sei niemand zu Hause. «Bitte, Kollegen, wartet noch eine Viertelstunde. Vielleicht kommt sie noch.» Sofort aber rasten seine Gedanken weiter. Wie und wo konnte er diesen Narrat ausfindig machen? Vielleicht war die Lösung in der Kiste zu finden, die er von Johanna erhalten hatte. Der Vater wollte wohl verhindern, dass sie in Johannas Hände geriet. Ross hatte nur einen kurzen Blick hinein geworfen und gesehen, dass darin eine Menge DVDs waren – wohl geordnet gestapelt und beschriftet. Er hatte die Kiste zu Hause verstaut, um sie in Ruhe in Augenschein nehmen zu können. Nun ärgerte er sich ein wenig, dass er sie nicht ins Büro mitgenommen hatte. Aber er hatte Johanna irgendwie so verstanden, dass die Kiste nicht unbedingt im Präsidium auftauchen sollte. Er musste anders an Narrat kommen, aber er hatte keine Handynummer oder sonst etwas von ihm. Er rief die Kriminaltechnik an, aber da ging niemand ans Telefon. Manchmal arbeiteten die Techniker auch nachts. Sie hätten Luisas Handy orten können. Heute scheinbar nicht. Dann telefonierte er wieder mit der Einsatzzentrale; er wollte einen Streifenwagen in die Psycho-Villa schicken. Im Moment waren alle im Einsatz. Eine Massenschlägerei in einer Discothek band die Kräfte. Die Vorortreviere und das Präsidium würden sich bald mit grölenden und angeschlagenen Schlägern füllen. Eine Stimmung ganz nach seinem Geschmack! Aber Alfred Ross hatte heute gar keine Nerven dafür. Er war in großer, schier panikartiger Sorge um Luisa. Wenn ihr etwas passierte, würde er sich ewig Vorwürfe machen; er hatte sich von diesem mysteriösen Methusalem einwickeln lassen und hatte nicht verhindert, dass er sie mitnahm. «Ich muss Luisa jederzeit erreichen können», hatte er großkotzig gefordert und sich mit einem Jaja verschaukeln lassen! «Verdammt!» schrie er wieder. Aber was half's? Ideen- und einfallslos tigerte er im Büro hin und her, fand keinen anderen Ansatzpunkt, mehr über Marcellus Adonis Narrat zu erfahren, als sich auf den Weg in die Psycho-Villa zu machen. «Wenn kein Streifenwagen frei ist, muss ich eben dahin», murmelte er. Und wenn er das ganze Haus auf den Kopf stellen musste, er würde schon etwas über diesen Kerl herausbekommen! Entschlossen und eilig verließ er das Büro. Aber schon im Flur beschlich ihn ein seltsames Gefühl, eine beängstigende Unsicherheit, ob er auch wirklich das Richtige tat. Beängstigend war diese Unsicherheit deswegen, weil er so etwas an sich nicht kannte. Alfred Ross tat immer das, was er im Moment für das Richtige hielt; Zögern und Zaudern lagen ihm völlig fern. Jetzt aber war in seinen Beinen etwas, was ihn einen Sekundenbruchteil langsamer gehen ließ, als er es von sich kannte und gewohnt war. Im Halbdunkel des Treppenhauses, wo nur die Notbeleuchtung brannte, sah er eine Frauengestalt mit einem aufgespannten Sonnenschirm, der die passende Farbe zu ihrem rosa Kleid hatte. Das konnte nur eine Halluzination sein.

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