Die Auflösung der filosofix-Frage steht auf meiner Agenda: http://ask.fm/Klugdiarrhoe/answers/137964759225 Die "Helden" des SOKRATES-Romans sind weit von solchen Abhandlungen und Erörterungen entfernt. Sie plagen ganz andere Dinge. SOKRATES Teil 211:

Uri Bülbül
«In der Ruhe liegt die Kraft!» Dieser Quatsch mochte für Dalai Lama gelten. Aber doch nicht für den Hauptkommissar Alfred Ross! Er fühlte sich in seinem Porsche stark, er fühlte sich gut, wenn er den an die 300 Pferdestärken kräftigen Motor hörte, beide Hände konzentriert und waghalsig am Lenkrad hatte und so schnell durch die Straßen fuhr, dass er selbst für seinen Schutzengel zu schnell war. Und schon hatte er die Stadt hinter sich gelassen, fegte wie der Wind auf das kleine Dörfchen mit den Fachwerkhäusern zu, durch das Dorf hindurch und auf den Venusberg. Niklas hatte noch keinen klaren Gedanken fassen können, da erreichte Ross schon die kurvige Landstraße durch den Wald. Und in diesem irrte Betti auf der Suche nach Lara und Basti umher, rief immer und immer wieder zerschunden, heißer und erschöpft die Namen der beiden in den Wald, lauschte, ob jemand antwortete und stolperte weit vom Aufgeben entfernt unaufhörlich weiter. Sie konnte nicht sagen, wie weit sie schon gegangen war und wo in etwa sie sich befand. Das war allerdings auch nicht ihre Sorge. Diese galt einzig und allein den beiden Verschollenen. So bemerkte sie nicht, dass sie im Kreis gelaufen war und dass sie sich wieder dem Weg durch den Wald zur Villa näherte.
Niklas' Internet funktionierte wieder. Er betrachtete das Chaos seiner Arbeiten, Recherchen und Exzerpte, seine angefangenen fragmentarischen Essays, seine Romanentwürfe, seine Gedanken zur Ästhetik der Postmoderne, den Brückenschlag zur Absurdität des Bürokratismus und seine philosophischen Notizen und Textbausteine zur Ontologie des Nichts. Er erinnerte sich einer unlängst vergangenen Professur in einer Literaturakademie und an seine Gespräche mit dem dortigen Archivar, der über die ungeschriebenen Texte wachte und Roger Weißhaupt hieß. Warum habe ich bloß nicht eine ordentliche Professur an einer Universität angestrebt und mein Leben in verbeamtete Bahnen gelenkt? fragte er sich mal wieder, obwohl die Wunder, die ihm in letzter Zeit widerfahren waren, in Zahlen auf seinem Konto deutlich mehr darstellten als ein Sechser im Lotto. «Ich könnte mir eine Insel kaufen und mir dort einen Harem einrichten», sagte er sich. Konnte das eine Lösung für ihn sein? Mit zwölf wunderschönen und sehr unterschiedlichen jungen Frauen könnte er sich umgeben und ihnen und sich selbst natürlich ein wunderschönes Leben bescheren. Was also hielt ihn davon ab, wenn nicht die Knappheit der finanziellen Mittel? War er dem Hamlet-Syndrom verfallen? Konnte er nur zögern, zaudern und zweifeln? Bei dieser eminenten Frage kam ihm wieder der Hinweis des Hermes Psychopompos in den Sinn. Er wusste nicht wirklich, wer dieser Mann war. Er war sich nicht einmal sicher, ob es ihn wirklich gab oder ob er sich ihn nicht vielmehr einbildete. Niklas konnte natürlich als geschulter Philosoph die eine wichtige philosophische Frage stellen: was ist Realität? Aber diese Frage zu stellen, war nicht einmal die halbe Miete!

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