Es ist kein guter Tag für Alfred Ross, dabei ist aber die Begegnung mit Betti @liebeanalle noch die harmlosere Variante der Ereignisse. SOKRATES Folge 213:

Uri Bülbül
Er wollte ihr trotz seines vorwurfsvollen Geschwätzes helfen. Aber sie wies ihn ab. «Lassen Sie mich in Ruhe!» «Ich werde Sie ins Krankenhaus bringen lassen!» Ross suchte sein Handy. «Nicht nötig!» erwiderte Betti. «Ich habe im Moment etwas Wichtigeres zu tun!» «Wo ist nur mein Handy? Warten Sie! Sie müssen ins Krankenhaus! Außerdem will ich ihre Personalien...» weiter kam er nicht. Ein Sidekick aus der besten Karateschule traf ihn auf die Brust, schleuderte ihn auf die Fronthaube, was die Beule noch mehr vergrößerte und raubte ihm Luft und Bewusstsein. Als seine KO-Zeit verstrich und Überbleibsel seines Bewusstseins sich wieder einschalteten wie eine flackernde Neonröhre, war Betti längst zwischen den Bäumen wieder verschwunden. Ross versuchte zu Luft und Kräften zu kommen. «Was für eine Irre!» keuchte er. Nadias Mahnung im Treppenhaus lag eindeutig jenseits seines Tellerrands. Ratlos betrachtete er sein Auto.
Ratlos las Niklas Hardenberg den Wikipedia-Artikel über Kairos durch: «Kairos ist ein religiös-philosophischer Begriff für den günstigen Zeitpunkt einer Entscheidung, dessen ungenutztes Verstreichen nachteilig sein kann. In der griechischen Mythologie wurde der günstige Zeitpunkt als Gottheit personifiziert.»1 Dabei fiel sein Blick auch auf das Bild eines Freskos von Francesco Salviati im Audienzsaal des Palazzo Sacchetti in Rom. Ein geflügelter Mann äußerst muskulös und durchtrainiert, ein männlicher Engel, beugt sich vor einer Säule tief über eine Waage, die er in der Hand hält. Über ihm hängen zwei Helme und in der Mitte ein Krug mit einer Schleife um den Griff des Krugs. Der geflügelte Mann hat einen kahlrasierten Kopf und nur in der vorderen Partie über der Stirn einen langen Haarschopf. «Man muss die Gelegenheit am Schopf packen», murmelte Hardenberg. Klar. Aber was sollte die Gelegenheit sein in seinem Fall? Doch nicht etwa die Unsumme, deren Nullen er auf einem Blick gar nicht zu erfassen vermochte, was auf seinem Konto plötzlich erschienen war und seitdem täglich wuchs und wuchs, ohne dass er etwas dafür tun musste.
Die Nacht für Uri Nachtigall war jäh zu Ende und er wurde brutal aus seinen Träumen gerissen. Noch klopfte Basti an das besagte dicke Brett vor dem Kopf des schlaftrunkenen oder noch schlafenden Theaterphilosophen wie an eine schwere dicke Holztür einer Blockhütte. Es klopfte heftig und drängend an der Tür. Und noch bevor Uri Nachtigall etwas begreifen konnte, standen Kommissar Alfred Ross und Schwester Maja in seinem Zimmer. Und nicht nur das, ehe Uri Nachtigall sich versah, riss ihn Ross brutal aus dem Bett und schleuderte ihn auf den Schreibtischstuhl. Der nächste Albtraum wurde für den Schlaftrunkenen wahr. Ängstlich sah er zur Schwester Maja, die ausdruckslos und kalt an der Tür stehen geblieben war. «Da pennt er in aller Ruhe, in aller Seelenruhe!» brüllte Ross, während er Uri am Kragen gepackt schüttelte. Dieser begriff immer noch nichts. Da schaltete sich Maja ein.

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