Ich verstehe nicht ganz, was Uri Nachtigall an der Psycho-Villa so festhält. Warum geht er nicht einfach zu einem Anwalt und erkundigt sich nach seinen Rechten? Und diese Geschichte dieses Niklas ist auch mehr als seltsam! SOKRATES - Teil 216:

Uri Bülbül
Tausend andere Dinge gingen ihm noch durch den Kopf: Bettis Verbleib, der seltsame Methusalem, der ein Mann von Welt zu sein schien und sicherlich mit viel Geld und Macht gesegnet war, die hübsche Luisa, die sich bei ihm wohlfühlte, Johanna, die im künstlichen Koma lag, aber außer Lebensgefahr schien. Und so machte er sich bettfertig und legte sich hin. Irgendwann begann sein Traum. Er bekam jetzt schon die einzelnen Bilder dieses Traumes in seinem durchgeschüttelten Kopf nicht mehr wach gerufen. Er war in eine verrückte Welt gerutscht; alles in seinem Leben, das ohnehin nicht sehr ordentlich war, war mit einem Schlag im wahrsten Sinne des Wortes aus der Fassung gesprungen. «Ich muss wieder ins Theater zurück», sagte er, um sich wenigstens an seine Kunstwelt klammern zu können, die längst nicht so verrückt war wie das, was er nun erlebte. Er saß reglos da, wohin ihn die Schwester platziert hatte und döste vor sich hin, als Maja schwungvoll eintrat: «Hier ein Kühlpack für den Kopf. Möchtest du auch ein paar Tropfen gegen Schmerzen, mein Vögelchen?» Er schüttelte den Kopf, was mit Schmerzen verbunden war: «Aua!» Schwester Maja lächelte. «Keine Sorge, der Kommissar wird dir nichts mehr anhaben können. Vor ihm bist du nun sicher.» «Also ist er doch ein Kommissar und kein Irrer?» fragte Uri Nachtigall. Eine zweite Frage blitzte durch seinen Kopf, aber er stellte sie nicht: Vor wem war er nicht sicher? «Ein irrer Kommissar!», sagte Maja.
Eines Tages vor nicht allzu langer Zeit war auf Hardenbergs Konto, während er den Kontostand per Onlinebanking abfragen wollte, diese horrende Summe aufgetaucht. Er hielt es für einen Computerfehler, für einen Streich eines Hackers oder etwas Vergleichbares. Und er kam bisher zu keiner Lösung, zumal ihm noch dieses Mißgeschick mit seiner Pistole im Suff passierte. Zugegeben, er hatte wirklich eine Flasche Whisky ausgetrunken und war auf seinem Bett eingeschlafen. Aber... da kam eine neue Email in sein Postfach und fesselte seine Aufmerksamkeit. Mitten in der Nacht, zu solch einer späten Stunde, arbeitete sein Freund der Rechtsanwalt Markus Kolbig und schrieb Emails? «Hallo Nick, ich habe vergessen, dir zu schreiben, dass morgen bzw. heute um 9.00 Uhr der Haftprüfungstermin für Francis Arthur Suthers ist; wäre nicht schlecht, wenn du auch kämst. Im Landgericht Zimmer 216. Gruß Mark» Er klickte auf das Antwortbutton: «Okay.» Vielleicht war das nun auch ein Zeichen für ihn, ins Bett zu gehen. Auf jeden Fall musste er den Wecker stellen. Lange betrachtete er im Bad sein Spiegelbild. Er fuhr mit der flachen Hand über seine Wange. Sollte er sich für morgen rasieren? Da kam ihm die Waage in den Sinn: Was musste er abwägen, wenn er die Gelegenheit am Schopf ergreifen wollte? Was genau war nun die Botschaft? «Fange ich schon an, Dinge hinter dem Spiegel zu suchen?» fragte er sich. Als könnte er sich damit frische Gedanken in den Kopf schrubben, begann er, seine Zähne zu putzen.

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