«brechtdurchfall» - das ist ein Fall für die wunderbare Deutschlehrerin im SOKRATES-Roman, die Luisa nicht leiden kann. Apropos Luisa - wo steckt sie überhaupt? Menschen verschwinden spurlos. Teil 219:

Uri Bülbül
Den Oberländer-Bericht kannte auch Niklas Hardenberg. Das war ja das Verwunderliche, weswegen der Rechtsanwalt Markus Kolbig Niklas eingeschaltet hatte. Der Parkplatz des Polizeipräsidiums war videoüberwacht. Und auf einem Videoband war Arthur Francis Suthers zu sehen, wie er sich an sein eigenes Auto schlich, um etwas ins Handschuhfach zu legen und die Kennzeichen auszutauschen. Einige Zeit später kam er wieder, stieg in sein Auto, als sei nichts geschehen und fuhr los. Für Hoffmann ergab das keinen Sinn, für Niklas ebenso wenig. Aber Niklas sah seinen Versuch, mit dem Sonderermittler zu sprechen als hoffnungslos gescheitert an. So konnte von ihm aus der junge Sonderermittler in der Hölle schmoren, er würde ihm nicht helfen! Kolbig mochte da eine professionellere Einstellung haben. Sollte er sich doch um den jungen Widerspenstigen kümmern. Warum macht jemand an sein eigenes Auto gefälschte Nummernschilder und versteckt im Handschuhfach eine unregistrierte Waffe, obwohl er einen Waffenschein hat und dienstlich jede Handfeuerwaffe tragen darf? Und wird dann wie zufällig von einem der berüchtigtsten Kommissare des Präsidiums erwischt. Für Niklas roch das nach einer Falle. Hoffmann blieb bei dem Bericht seines Gehilfen, der zu dem Schluss kam, Suthers sei ein Irrer. Eine gewisse Schizophrenie konnte man in diesem Fall nicht von der Hand weisen; erst versteckt er eine Waffe im Handschuhfach und lässt sich dann mit dieser Waffe und den gefälschten Kennzeichen von der Polizei erwischen. Vielleicht wollte Suthers Alfred Ross eine Falle stellen, spekulierte der Kommissar. Gehörte dann aber das Videoband zu der Falle dazu oder war es ein Unfall? Gegen den Unfall sprach jedenfalls, dass ein hochrangiger Sonderermittler, so jung er auch war, doch wissen musste, dass der Parkplatz eines Polizeipräsidiums videoüberwacht wurde. Nichts an dieser Geschichte ergab wirklich Sinn, weswegen sich der fettleibige Kommissar aus seinem Sessel quälte, um noch vor der richterlichen Anhörung einpaar Fragen an Suthers zu stellen. Womöglich gehörte dieser Fall in den Zuständigkeitsbereich der Innenrevision und nicht in die Hände eines gleichrangigen Kommissar-Duos, nur weil Metzger und Ross verhindert waren. Johanna Metzgers Verkehrsunfall, wenn es denn ein Unfall war, hatte sich wie Lauffeuer im Präsidium verbreitet. Wie die Zentrale mitteilte, war nun auch Kommissar Alfred Ross nicht zu erreichen, der eigentlich für Festsetzung und Anhörung zuständig und verantwortlich war. Hoffmann schnaufte schwer; seine Adipositas quälte ihn. Sein 50. Geburtstag stand vor der Tür, und er musste ernsthaft daran denken, eine Kur für sich zu beantragen. Alles fiel ihm schwer, seine Libido spielte verrückt, bald würde sein Herz den Geist aufgeben. Zu allem Überfluss hatte er sich unsterblich und unglücklich verliebt. Mit gemischten Gefühlen und wirren Gedanken erreichte er schwerfällig Suthers Haftzelle. Aber sie war leer.

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