Der verehrte Graf von Monte Inkasso @Graf_Otto beehrt mein Profil und fragt, ob ich denn nicht als Theater Querulant mal was Vernünftiges aufführen könne; denn SOKRATES sei schon lange «tooot»! Ich glaube, der Herr Graf ist ein Freund von Adonis Narrat und kommt bald ins Spiel ;) Teil 220:

Uri Bülbül
Wenn er auch nur annähernd geahnt hätte, wie faszinierend die Untersuchungsrichterin durch ihre Schönheit war, hätte er sich mit seiner Morgentoilette mehr Mühe gegeben. So aber saß er muffelig und unrasiert neben seinem schnieken Freund und Auftraggeber, dem Anwalt Markus Kolbig, der äußerst ernst und konzentriert wirkte, und musste sich von der Richterin fragen lassen: «Und Sie sind der Beschuldigte, Arthur Francis Suthers?» «Na ja», hob er schwerfällig an. Da bohrte sich auch schon der spitze Ellenbogen des Anwalts in seine Rippen. Atemlos träumte er lieber von den Waden und Fesseln der Richterin in schwarzen Nylons, die er gesehen und schier angestarrt hatte, als sie den kleinen Verhandlungsraum betrat. Nun war er, wie es die phänomenologisierenden Kollegen auszudrücken pflegten, auf seine EIDETIK angewiesen, da ihr Körper ab der Bauchhöhe hinter dem Richtertisch verschwand. Das Wissen um ihre schönen Beine hatte sich wie ein Angelhaken in seinem Bewusstsein verhakt. Es galt eben nicht der Satz: Aus den Augen, aus dem Sinn. Nun wurde er also auch noch zu allem Überfluss für diesen schnöseligen und arroganten Suthers gehalten. Seine Laune war im Keller, seine Gefühle aufgewühlt. Der Richterin war der Rippenstoß nicht entgangen. Was sollte das für eine dämliche Verteidigungsstrategie werden? Sofort gab sie dem Gerichtsdiener ein Zeichen; sie hatte drei von ihnen angefordert: zwei bewachten die Tür von außen, da dies eine nicht öffentliche Sitzung war; und ein Gerichtsdiener stand innen an der Tür. Auf das Zeichen der Richterin straffte sich sein Körper. «Überprüfen Sie die Personalien dieses Mannes! Ich möchte seinen Ausweis auf meinem Tisch haben!» Hardenberg verächtlich pfiff durch die Zähne, als er an seine hintere Hosentasche griff, um erschrocken festzustellen, dass er sein Portemonnaie zu Hause liegen gelassen hatte. «Tut mir sehr Leid, aber...» Die Richterin schlug mit der flachen Hand auf den Tisch: «Herrschaften, was wird das für eine Vorstellung? Wo ist der Verdächtigte? Wessen genau wird er beschuldigt? Und wer ist dieser Herr neben dem Herrn Rechtsanwalt? Warum kann er sich nicht ausweisen?» Kommissar Hoffmann konnte sich ein grinsen nur schwer verkneifen. «Wenn sie nur wüsste!» ging es ihm durch den Kopf und eine diebische Freude erhellte sein Gesicht. «Es gibt also Dinge, die der Richterin entgehen», stellte er still und heimlich für sich fest, als müsste er vor ihr sogar seine Gedanken verstecken. Aber was war das? Niklas spitzte die Ohren; das konnte doch nicht wahr sein! Die Richterin wandte sich an den Kommissar – aber mit was für einer Stimme! - in was für einem Ton? «Irgendetwas scheint Sie sehr zu erheitern, Herr Kommissar!» Niklas konnte es einfach nicht fassen, aber es war ganz klar und eigentlich für niemanden zu überhören, dass die Richterin eine äußerst vertraute und liebevolle Farbe in ihre Worte gelegt hatte. Unfassbar, dass diese Schönheit in den adipösen Kommissar verliebt war.

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Firellenfolet@Pizzaboote