Das kann ich jetzt schon ankündigen: In der Folge 224 wird ein kleines Filmrätsel sein, bin gespannt, wer den Film errät, der da von mir zitiert wird. Jetzt aber gibt es erst einmal Folge 223 des kafkASKen Fortsetzungsromans: Marshall McLuhan :)

Uri Bülbül
Hoffmann grinste in sich hinein, ohne nach außen auch nur eine Miene zu verziehen. Diese Frau würde es dem berüchtigten Albermann-Präsidium zeigen. Vielleicht begann nun die Ausmistung des Augiastalls. Bewusstlos registrierte Niklas wie ein Seismograph die Erschütterungen; wie sollte er die aufgezeichneten Kurven deuten. Ganz in der Erscheinung eines Hugo Boss machte Rechtsanwalt Kolbig eine schweigende gute Figur wie ein Model auf dem Werbeplakat. Was hatten diese Staatsverbrecher mit dem Mann aus dem Ministerium gemacht? Sie hatten ihn doch nicht etwa verschwinden lassen? Konnten sie wirklich so dumm sein? Hardenberg erwiderte den Blick des Kommissars. Gehörte er nicht auch zu dieser Clique? In Hoffmanns Augen blinkte eine gewisse Sympathie in Hardenbergs Richtung. Das war auch der Richterin nicht entgangen. Aber sie überging diesen leisen Wink geflissentlich, um Lauster etwas mehr unter Druck zu setzen: «Wer nahm Suthers fest? Und was war der Anlass?» «Hauptkommissar Alfred Ross» erwiderte der Oberstaatsanwalt lapidar. Die Richterin schwieg. Der zweite Teil ihrer Frage war nicht beantwortet. Der Oberstaatsanwalt pausierte und kam nun nicht umhin, seine Rede wieder aufzunehmen: «Der Anlass der Kontrolle ist mir unbekannt.» Kalt und schier teilnahmslos betätigte sie wieder das Diktiergerät. «Oberstaatsanwalt Dr. Leopold Lauster gibt an, dass die Festnahme durch HK Alfred Ross erfolgte; der Grund für die Personenüberprüfung sei ihm nicht bekannt. HK Ross ist zum Haftprüfungstermin, obwohl darüber unterrichtet, nicht erschienen. Er kann im Moment nicht zur Sache vernommen werden. Ausdrücklich wird an dieser Stelle für das Protokoll festgehalten, dass Arthur Francis Suthers im Auftrag des Innenministeriums Abteilung innere Revision ins Präsidium kam, um hier Prüfungen und gegebenenfalls Ermittlungen durchzuführen. Insofern ist der Verdacht an diesem Haftprüfungstermin nicht ausgeräumt worden, dass er in der Ausübung seines Amtes gehindert werden sollte. Die Erkenntnisse moderner Medientheorie insbesondere die des Herrn Marshall McLuhan legen nahe, dass gerade in einem solchen Fall wie dem vorliegenden, in den staatliche Einrichtungen verwickelt sind und unter Verdacht stehen, Manipulationen an Videos nicht auszuschließen sind und als einziges Beweismittel nicht ausreichen können, um einen hohen Beamten des Innenministeriums in der Innenrevison zu verhaften. Damit ist die Sitzung geschlossen.» Niklas traute seinen Ohren nicht: Marshall McLuhan war der Richterin nicht nur bekannt, sondern wurde auch ein Teil ihres protokollierten Beschlusses. Diese Frau hatte es ihm angetan. Er versuchte, ihre Nähe zu suchen, noch einmal Blickkontakt herzustellen. Aber sie stand einfach auf, nahm ihr Diktiergerät und verließ den kleinen Saal ohne sich mit jemandem weiter zu unterhalten. Nur kurz aber wandte sie sich dann in der Tür um und sagte zum Hauptkommissar Hoffmann: «Ich möchte Sie heute Mittag um 13.00 Uhr bei Antonio sehen.»

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Firellenfolet@Pizzaboote