Es ist dunkel, es ist Nacht, von irgendwo lärmt ein Radio mit einem Sprecher; ich denke, es ist Zeit für eine SOKRATES-Folge. Wie wäre es mit Teil 229: Hoffmann und Betti unterwegs zur Psycho-Villa. Eine Menge Leute sind in den Roman eingeführt und einige von ihnen verschwunden: zwei sind tot.

Uri Bülbül
«Frauenversteher!», während Betti und Hoffmann das Zimmer verließen. Hoffmann, schon an der Tür, drehte sich kurz um, da war er wieder: dieser versteinernde Blick. Als sie unterwegs zum Parkhaus des Präsidiums allein waren, sagte Betti: «Schwester Maja und ich haben schon die umliegenden Krankenhäuser angerufen. Eine halbe Stunde, bevor ich zu Ihnen kam, war dort niemand eingeliefert worden, der eines der Kinder hätte sein können.» Hoffmann lächelte die zerzauste Frau mit den dünnen langen Haaren an: «Der Kollege soll noch einmal anrufen. Das kann nicht schaden.» Sie erreichten einen silbergrauen Audi Quattro. «Ist das Ihr Dienstfahrzeug?» fragte Betti erstaunt. «Es ist mein Auto, ein altes Schätzchen, das Urquattro schlechthin», erklärte Hoffmann. Sie stiegen ein, wobei er ganz gentleman like ihr die Tür aufhielt und nach dem sie eingestiegen war, umsichtig zuschlug. Seine Gesten und Bewegungen hatten etwas sehr Beruhigendes. Sie fühlte sich wohl beim Kommissar. Er war das genaue Gegenteil von dem Rüpel, der sie im Morgengrauen auf dem Waldweg angefahren hatte. Hoffmann fuhr ruhig und gelassen, aber keineswegs langsam aus dem Parkhaus des Präsidiums; kaum näherte sich das Auto der Schranke, schon wurde sie auch geöffnet. Er grüßte freundlich den Wachhabenden. Betti fühlte, wie sich langsam die Müdigkeit in ihren Gliedern ausbreitete und sie schwer werden ließ. Sie hatte ganz verzweifelt jeden Quadratmeter des Waldes, weit und so gut es ging, abgesucht, war dabei mit dem Fuß umgeknickt, hatte sich am Gestrüpp aufgekratzt und war mehrmals gestürzt. Aber sie hatte keine Spur von Lara und Basti gefunden. Das konnte doch nicht nur an der Dunkelheit gelegen haben. Hoffmanns sonorige Stimme holte sie sanft aus ihren Gedanken, ohne ihre Entspannung zu stören. «Wir werden sicher auch an der Stelle vorbei kommen, an der Sie den Kollegen mit dem Porsche getroffen haben. Da würde ich mich gerne ein wenig umsehen. Und natürlich auch an der Unfallstelle, an der die Kollegin Johanna Metzger verunglückt ist. Was das Verschwinden der Kinder angeht, werde ich einen Freund von mir kontaktieren; er ist Förster und kennt den Wald wie seine Westentasche: Friedhelm Förster heißt er sinnigerweise. Sein Name ist Programm.» Betti musste über Hoffmann kichern. Zufrieden mit der erreichten Reaktion steuerte er den Wagen aus der Stadt. «Wissen Sie? Ross ist kein schlechter Kollege und kein schlechter Kommissar. Er agiert und reagiert häufig äußerst seltsam und merkwürdig. Das hat ihm nicht nur Freunde im Präsidium eingebracht. Aber sein Aufgabenbereich in einer riesigen Grauzone ist auch nicht einfach. Wie auch immer, ich will ihn nicht Ihnen gegenüber rechtfertigen. Sie sollen ihn nur ein bißchen verstehen, um ein entspannteres Verhältnis zu ihm zu haben.» «Ich will am liebsten überhaupt kein Verhältnis zu ihm haben», versetzte Betti. Ross interessierte sie herzlich wenig. Dafür aber dieser Förster mit dem lustig passenden Namen umso mehr. «Hat der Förster keine Hunde?»

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