Doktor Theresa Wagner @Pizzaboote wirft einen nachdenklichen Blick zurück auf ihre vergangene Nachtschicht auf der Intensivstation, während sie ihren Hund ausführt: SOKRATES Folge 230:

Uri Bülbül
Hoffmann freute sich über die Pragmatik der auf dem ersten Blick hysterisch wirkenden Frau. Sie würde all ihre Energie darauf verwenden, ihre Tochter wieder zu finden. «Hat er», antwortete er, «und wir werden ihn bitten seine Hunde als Spürhunde einzusetzen. Das ist im Moment so ziemlich das Effektivste, was wir tun können.» «Können wir nicht auch noch versuchen, das Handy zu orten, auch wenn Lara nicht antwortet?» «Aber natürlich. Damit soll sich mein Assistent Oberländer beschäftigen. Er ist zwar bei den Nerds im Präsidium nicht sehr beliebt, aber schicken wir ihn doch in die Höhle des Löwen.» Er betätigte die Kurzwahltaste seines Handys und hatte wenige Sekunden später eine antwortende männliche Stimme in der Freisprechanlage: «Chef?»
Doktor Theresa Wagner verließ um halb sieben das Krankenhaus. Ihre Schicht war zu Ende, und sie freute sich auf ihren zotteligen Schäferhund Aria. Sie war müde und abgespannt, aber der lange Spaziergang mit Aria würde ihr sicher gut tun. Bei diesen Spaziergängen bekam sie ihren Kopf wieder klar, sortierte ihre Eindrücke und Erlebnisse, ihre Gedanken und Ideen. Zuhause wurde sie freudig von ihrem Hund empfangen und machte sich gleich wieder auf den Weg. Die Gestalten vom vergangenen Abend, die in ihrer Schicht auf der Intensivstation erschienen waren, dieser alte Mann im feinen Anzug mit dem jungen hübschen Mädchen, das die Schwester der verunglückten Kommissarin war, die im Koma lag, der aggressive Kommissar (wie war doch gleich sein Name?), der dunkelhaarige etwas dickliche kleine Mann, der die Kommissarin besuchen wollte und mit dem Kommissar in Streit geriet. Er war ihr nicht unsympathisch gewesen, dieser Uri Nachtigall, ein Freiberufler, ein Künstler, Theaterschreiber oder so etwas, dessen Nase allerdings eher der eines Boxers glich – sie alle wirkten nun beim Spaziergang mit dem Hund wie ferne Traumfiguren. Sie schmunzelte verträumt vor sich hin, als sie daran dachte, wie sie den Theatermann „hässlichen Zeisig“ genannt hatte. Aria spürte, dass Theresa glücklich war und freute sich darüber. «Ich werde diesen Zeisig besuchen», beschloss sie, «ich will wissen, wie es seinem wohltamponierten Näschen geht. Außerdem ist das die beste Gelegenheit, mir mal das „forensische Sanatorium“ näher anzusehen. Ein ehemaliger Studienkollege arbeitet dort, wenn ich mich nicht ganz irre. Er soll es dort zur rechten Hand des Leiters gebracht haben. Die Forensik würde mich auch interessieren.» Aria zerrte ein wenig an der Leine und bellte kurz. «Oh, entschuldige. Hier ist deine Lieblingswiese. Los spring!» Sie machte ihren Hund von der Leine. «Dieser vertrocknete Clooney-Verschnitt, der Brutalokommissar und der Zeisig scheinen irgendetwas miteinander zu tun zu haben. Ich sollte mich mehr für die Kriminologie interessieren, wenn ich in die Forensik will. Ein bißchen Detektivarbeit kann mir nicht schaden», sinnierte sie vor sich hin, während die Schäferhündin auf der Wiese herumsprang und imaginäre Kaninchen jagte.

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Firellenfolet@Pizzaboote