Nichtssagende Begegnungen könnte der Titel dieser Folge lauten. Aber manchmal fangen Recherchen eben nichtssagend an. Doktor Theresa Wagner jedenfalls hat die Fährte aufgenommen: SOKRATES Folge 232:

Uri Bülbül
«Hauptkommissar Alfred Ross?» kam eine Frage zurück, weil sich der Wachhabende vergewissern wollte. «Ja genau der!» «Den Hund müssen Sie da vorne anleinen. Er darf nicht mit ins Gebäude. Dann warten Sie, bis Sie jemand abholt.» Aria jaulte ein wenig, weil sie sofort verstand, dass sie nicht mitgehen durfte. Theresa streichelte sie zärtlich und tröstete sie beim Anleinen an einer Stange, die auch als ein Standbein für eine Reihe von Fahrradständern diente. «Es dauert nicht lange, dann bin ich wieder bei dir und wir gehen gemeinsam durch den Park wieder nach Hause. Auf der großen Wiese lasse ich dich wieder herumtollen und springen», sprach sie mit ihrer Hündin. Plötzlich hörte sie ihren Namen von hinten und drehte sich überrascht um: «Theresa? Tatsächlich! Du bist es!» « @DerApfeltyp ! Hey! Was machst du denn hier?» Ihre Freude Dr. Käng Guru hier zu treffen, hielt sich eigentlich in Grenzen. Aber sie versuchte dennoch so freudig und angenehm überrascht wie nur möglich zu wirken. Denn schließlich gab es auch keinen Grund aufeinander unfreundlich zu reagieren. Er wich mit seiner Antwort etwas aus: «Ab und an habe ich im Präsidium etwas zu tun. Und du?» Theresa überlegte kurz und zögerlich, wie offen sie zu Käng sein wollte: «Ich wollte einen Bekannten besuchen. Er ist Kommissar hier. Ich habe ihn neulich im Krankenhaus kennen gelernt und dachte mir, ich schau mal, wie er so arbeitet und wie sein Kommissariat aussieht.» Weiter kam das Gespräch Gott sei Dank nicht. Da erschien ein junger etwas phlegmatisch wirkender Mann am Eingang. «Sie wollten zu Herrn Ross?» «Dann wünsche ich dir mal noch einen schönen Tag. Vielleicht trifft man sich ja wieder», sagte Dr. Käng und machte sich auf und davon Richtung Straße. Theresa hatte sofort das Gefühl, dass der Phlegmatiker und Käng sich kannten. Das kann ja heiter werden, ging es ihr durch den Kopf. «Ja, ich wollte zu Hauptkommissar Ross», antwortete sie kurz und kühl. «Dann folgen Sie mir, bitte!» Das alles ging Theresa durch den Kopf, als sie schon halb im Dämmerzustand auf ihrem Bett lag. Erst hatte es sie überrascht, nun aber schien es ihr völlig verwunderlich, dass sie überrascht gewesen war: Der Phlegmatiker, der Oberländer hieß, führte Theresa nicht zu Alfred Ross, sondern direkt in einen Verhörraum. «Bin ich verhaftet?» fragte Theresa. «Nein, natürlich nicht. Ich möchte Ihre Personalien feststellen. Darf ich bitte Ihren Ausweis sehen.» Sie wollte es ihm nicht zu leicht machen. «Nein, dürfen Sie nicht!» «Tut mir leid, Sie müssen sich ausweisen können. Sonst darf ich Sie 24 Stunden festhalten. Ich glaube, das wäre in niemandes Interesse und schon gar nicht im Interesse Ihres Hundes, der unten auf Sie wartet.» Sie gab ihm wortlos ihren Personalausweis. «Ah, Frau Doktor Wagner. Stimmt Ihre Adresse noch?» Sie nickte stumm. Er machte mit seinem Handy ein Foto von ihrem Ausweis, bevor er ihn ihr zurückgab. «Was soll das?» fragte sie. «Wie schon gesagt, ich muss Ihre Personalien feststellen.» «Warum?»

View more