Eine Ärztin und ihre Hündin, zwei verirrte Jugendliche nicht mal auf einem Drogentrip, eine zutiefst besorgte Mutter, ein womöglich guter Cop: SOKRATES Folge 233:

Uri Bülbül
Beinahe hätte sie weiter gesprochen und ihm eine Antwort in den Mund gelegt. Aber sie konnte sich im letzten Moment noch beherrschen. Er hätte sich über eine solche Möglichkeit gefreut und lauerte schier darauf. Diese aber ergab sich nun also nicht. Er musste sich selbst etwas einfallen lassen, ihm fiel aber nichts anderes ein als die Flucht in die Amtsautorität: «Ich stelle hier die Fragen!» Theresa konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. «Ja, sie großer oberwichtiger Polizist! Natürlich! Wo ist denn nun Ihr Kommissar Ross? Und wie war noch mal Ihr Name? Reiter?» Oberländer ging nicht darauf ein und blieb einfach dabei, die Contenance zu wahren. Theresa provozierte noch ein bißchen: «Ross und Reiter – ein tolles Polizeigespann!» Dann gab sie es auf und schwieg einfach. «Wann haben Sie Hauptkommissar Ross zuletzt gesehen?» kam die Frage des Kriminalassistenten in sachlichem Ton. «Gestern Abend auf der Intensivstation, wo ich als diensthabende Ärztin zugegen war!» Ihr Gegenüber ließ sich durch diese verschraubte Formulierung nicht aus der Ruhe bringen – ein Phlegmatiker eben, dachte Theresa. «Und warum möchten Sie ihn jetzt sprechen?» «Am besten ich kläre das mit ihm selbst. Sagen Sie ihm einfach, dass ich da war. Dann kann er sich ja bei mir melden.» Entschlossen stand sie auf. Er machte keine Anstalten, sie zurück zu halten. Sie würde diesen unter den überflüssigen Hausbesuchen einer Notärztin abhaken. Er klingelte. Und kurz darauf erschienen zwei Bereitschaftspolizistinnen und begleiteten sie wortlos aus dem Präsidium. Aria freute sich über das schnelle Wiedersehen. Und gerade als Theresa in ihrem Bett langsam einschlummerte, brachte Aria schnell das Kissen in eine andere Ecke des Zimmers und sprang auf das Bett zu Theresa.
Sie schlugen sich durch Springgras, Farn, Efeu, diverse Rankpflanzen, die von den Bäumen herabhingen, die sie völlig zugewuchert hatten. Die Luft war drückend schwül, Lara und Basti völlig verschwitzt und Lara außer Atem. Sie hasste körperliche Anstrengung. Über ihnen kreisten Geier. Wo waren sie nur gelandet? Eines war nun völlig klar: das war alles andere als ein gewöhnlicher Waldspaziergang mit einer Übernachtung bei einer netten, neu gewonnenen Freundin. Rudi legte ab und an kurze Fresspausen ein, beschnüffelte wild und gierig den Boden, fand irgendwelche Insekten, die er genüsslich verschlang. «Ich glaube nicht, dass Rudi uns aus dem Wald führen will», keuchte Lara. «Aber es geht nach oben, wir müssen einen Berg hochsteigen. Wir sind ja auch von oben herunter in ein Tal gestiegen.» «Ja, aber vielleicht hätten wir besser wieder diese verschraubte Brücke suchen sollen, statt einfach irgendwo einen Hang hochzuklettern.» «Sollen wir umdrehen und ohne Rudi unseren Weg suchen?» überraschte Basti Lara mit der Frage. Er klang sehr ernst und besorgt und keineswegs war das eine rhetorische Frage. Lara war sich nicht sicher, was sie ihm vorschlagen sollte. «Wir haben uns verirrt», sagte sie resigniert.

View more