Über glückliche Beziehungen vermag ich im Moment nicht zu sprechen; Das Glück in einer Beziehung ist so nah und so fern und so real wie irreal wie ein Regenbogen, unter dem man durchgehen zu können glaubt. SOKRATES Folge 241: Hardenbergs Begegnung

Uri Bülbül
Hardenberg zog langsam seine Hand aus der Schublade - ohne die Walther. Es war dunkel in seinem Zimmer, und er sah nur einen Schatten, die Schemen eines großen, kräftigen Mannes. «Darf ich Licht machen?» fragte dieser. «Was für eine Höflichkeit? Noch höflicher wäre es gewesen, Sie wären nicht in meine Wohnung eingedrungen!» antwortete Niklas. Der Mann schaltete das Licht ein, was Niklas in den Augen, durch die Augenhöhlen bis unter die Schädeldecke weh tat. «Ich bin übrigens nicht bewaffnet», sagte der Mann. Jetzt war das Niklas auch egal. «Sollen wir ins andere Zimmer gehen? Möchten Sie sich setzen? Und vielleicht etwas zu trinken?» «Ja, Whiskey», antwortete der Mann. «Ja, die Flasche klebt dort irgendwo im Bücherregal. Bedienen Sie sich!» Der Mann lachte. «Ich mag Ihren Humor. Aber ich gebe Ihnen Ihr Telefon, Sie können einen Händler anrufen, der Ihnen sofort eine ganze Kiste liefert.» «Mitten in der Nacht?! Wie spät haben wir es überhaupt?» Der Mann lachte jetzt noch lauter. «1.48 Uhr. Aber das dürfte doch kein Problem sein! Sie sind doch jetzt nicht mehr auf den Supermarkt angewiesen.» Ach daher wehte der Wind. Nun gab es keinen Zweifel mehr für Niklas. Erst kam die gigantische Überweisung und dann kam der Besuch. «Ja, so ist es. Erst kommt das Geld und dann der Besuch. Zumindest in meiner Firma ist das so.» «Können in Ihrer Firma alle Gedanken lesen?» fragte Niklas. «Nun ja, es war nicht schwer, Ihre Gedanken zu erraten. Und nun möchten Sie wissen, was ich von Ihnen will. Und wenn ich sage: nichts, außer sie ab und an besuchen und mit Ihnen plaudern, werden Sie das Geld nicht wollen, weil Sie irgend eine Katastrophe befürchten.» «Beim letzten Mal, musste Frank sterben. Und was Sie mit den Frauen gemacht haben, weiß ich bis heute nicht. Aber gut ist es ihnen in den Kellern, nicht ergangen, in die Sie sie verschleppt hatten.» «Ich?» Das klang äußerst geheuchelt in Hardenbergs Ohren. «Ja, Sie - vielleicht nicht persönlich! Sie stehen aber für Ihre Firma, also Sie, genau Sie!» Niklas war nüchtern. So viel Adrenalin. Nüchtern, reaktionsschnell und entschlossen. Er rechnete mit Gegenwehr, als er sich in Richtung seiner Schublade warf und die Walther zückte. Der Mann aber machte überhaupt keine Anstalten, sich zu wehren oder zu flüchten. Er reagierte überhaupt nicht, während Niklas die Waffe durchlud, entsicherte und schoss. Das ganze Magazin leer schoss. So entschlossen und wütend war er noch nie.
Im Polizeipräsidium saß er in einem Verhörzimmer. Man ließ ihn warten, wahrscheinlich wurde er durch das Spiegelfenster beobachtet. Eine Uniformierte hatte ihm Mineralwasser und Kaffee gebracht und sich wieder dezent und wortlos verzogen. Niklas Hardenberg rührte Zucker in seinen Kaffee und wartete. Die Wartezeit tat ihm gut, zermürbte ihn keinesfalls, wie sie es vielleicht hofften. Er würde gestärkt in das Verhör gehen. Gemütlich trank er seinen Kaffee und dachte über alles nach. Mit ihm stimmte etwas nicht. Das war klar.

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