Ein trügerisch und rein äußerlich ruhiger Tag im Garten, ein Flugzeug am Himmel und der Schrei der sterbenden Schmetterlinge im Bauch schreibe ich die 243. Folge des kafkASKen Romans SOKRATES. Es wäre jetzt wenig hilfreich, den Verstand zu verlieren :'(

Uri Bülbül
Luisa durchströmt von angenehmer Wärme ließ es einfach geschehen, erwiderte seinen Händedruck und kuschelte sich an Marcellus an. Für einige Augenblicke achtete sie nicht mehr auf die Hangars, die Lichter, die Flugzeuge, die Pisten, bis das Auto neben einer Legacy 650 zum Stehen kam. Diskret stieg der Fahrer aus, während an der Tür des Privat-Jets, der einem überdimensionalen Geschoss ähnelte, dessen lange Spitze etwas zu Boden geneigt war, eine Frau in schwarzen Lackschuhen, schwarzen Nylons, einem engen blauen Rock und weißem Hemd mit gestärktem Kragen erschien. Die Pilotin mit den hochgesteckten roten Haaren und der Fahrer wechselten ein paar Worte, wobei das Gespräch mit dem etwas bekümmerten Ausdruck im Gesicht des Fahrers und seiner Bemerkung endete: «Ich werde es dem Chef sagen.» So ging er wieder zur Limousine zurück – noch immer bedacht, so diskret wie möglich zu sein. Sein Räuspern und Hüsteln aber wurde in der Fahrgastzelle im Fond nicht registriert. Dezent klopfte der Fahrer an die Scheibe, die einige Sekunden später herunter gelassen wurde. «Chef, wir müssen etwas umdisponieren: wir haben eine dringende Lieferung nach Zentralafrika in die Republik Kongo.» Luisa rückte ihre Bluse und Haare zurecht und bemerkte, wie der Fahrer bemüht war, sie zu ignorieren. Adonis' Augen blitzten aufgeregt. «Eine Lieferung? Gut. Und von dort geht es dann ostwärts auf die Malediven. Nur mit der Legacy wird das nicht gehen.» «Nein, für uns ist eine Bundeswehr A319 startklar gemacht worden.» «Sehr gut. Dann nichts wie hin!» Luisa war verwirrt, aber genoss ihre Verwirrung wie ein lauwarmes Bad im See unter dem Sternenhimmel. Der Fahrer nahm seinen Platz ein und sie kuschelte sich an Adonis.
«Nur wer das Paradies kennt, seine Unbeschwertheit, seine Ruhe und Gelassenheit, die ihm eigene besondere Freiheit, dass sich ohne Umstände zusammenfügt, was zusammen gehört, kann eine Paradieseologie schreiben. Nun werden Sie sagen „Dann kann also niemand eine Paradieseologie schreiben und ein solches Traktat gehört ins Archiv ungeschriebener Texte“. Ich muss Ihnen aber entgegnen: „Doch ich kann das; denn es ist der Duft der Möglichkeit, den ich geschnuppert habe und der mich beflügelt. Ich habe ihn noch in der Nase, auch wenn irgendeine Macht nicht möchte, dass ich ihn rieche. Kurz zweimal hintereinander wurde mir die Nase gebrochen, als könne man mir dadurch die Sinne rauben und mich so orientierungslos machen wie einen Spürhund, dem man Pfeffer auf die Fährte streut.“» Uri Nachtigall war nach dem Erwachen aus der unsäglichen Nacht mit dem abschließenden schrecklichen Besuch des brutalen Kommissars Alfred Ross, aus dessen Fängen ihn nur das beherzte Eingreifen der Schwester Lapidaria mit einem Elektroschockgerät retten konnte, nicht zum Frühstück im Speisesaal erschienen, hatte sich nur eine Kanne Kaffee, eine Tasse und eine Zuckerdose vom Servierwagen genommen und sich in sein Zimmer zurückgezogen, wo er nun die Idee zu seinem Traktat umzusetzen versuchte.

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