Auf den Spuren der Verschollenen: Betti und Kommissar Hoffmann treffen in der Villa auf Schwester Maja. Eine eiskalte Herzlichkeit - SOKRATES Folge 248:

Uri Bülbül
Eine gute Stunde nach dem Ende des Frühstücks tauchte Betti mit einem stark übergewichtigen Mann, der gut und gerne 50 Jahre sein mochte, in der Psycho-Villa auf. Da betrat also ein neuer Kommissar neben Betti, die sich sehr um ihre Tochter sorgte, die Domäne der psychiatrischen Krankenpflegerin, die in ihrem zweiten Leben zur Universität ging, um dort Germanistik und Geschichte zu studieren und in ihrer Freizeit Violine spielte. Am liebsten aber verbrachte sie ihre Zeit in der Villa und doch war sie auch von dem sehnlichen Wunsch getrieben, unbedingt Lehrerin werden zu wollen. Sie hasste Kinder und Jugendliche abgrundtief, aber genau das war der Anreiz, der größte Antrieb, endlich in den Schulbetrieb zu kommen. Die Villa jedoch würde Schwester Maja niemals aufgeben, selbst wenn sie an einem Gymnasium Schulleiterin würde! Der Dicke stellte sich ihr als Hauptkommissar Julius Hoffmann vor. Er wirkte höflich gelassen und konzentriert. Er konnte ihr direkt in die Augen sehen und fast bekam sie das Gefühl, dass er ihr durch die Augen durch in die Seele blickte. Schnell sammelte sich Schwester Maja und schüttelte diesen Gedanken von sich ab. «Es verschwinden einfach zu viele Menschen in letzter Zeit im Umfeld dieses Sanatoriums, Schwester», bemerkte der Kommissar. «Eine Rechtsanwältin, eine Taxifahrerin, ein Hauptkommissar und eine Kommissarin, die auf dem Weg hierher einen Verkehrsunfall hatte. Da dachte ich mir, es wird höchste Zeit, dass ich mich hier umsehe. Der aktuelle Anlass sind übrigens zwei verschwundene Jugendliche, beide Gäste dieses Hauses! Und die Mutter Betti @Liebeanalle ist zutiefst besorgt.» Die Schwester war leichenblass geschminkt. Das brachte ihre grellroten Lippen und ihre braunen großen Augen besser zum Vorschein. Wer aber bei diesen braunen Augen an schöne Rehaugen dachte, lag völlig daneben. Diese Frau hatte eine ungeheure Kälte und konnte mit einem Blick Menschen tiefgefrieren! Nur Julius Hoffmann schien dagegen aus einem unerfindlichen Grund immun zu sein. Schwester Maja spürte, dass sie ein Psycho-Machtspiel in diesem Fall verlieren konnte, wenn sie sich darauf einließ. «Ja, es ist beunruhigend, dass die Kinder über Nacht weggeblieben sind. Das ist eigentlich gar nicht ihre Art», stellte die Schwester mit einem Seitenblick auf Betti fest. «Wir werden jetzt ein Wäschestück aus Laras Zimmer mitnehmen und damit zu meinem alten Kumpel Friedhelm Förster fahren, damit seine Hunde womöglich eine Spur finden.» «Eine sehr sinnvolle Idee. Sie scheinen ein Mann der Tat zu sein», konstatierte Schwester Maja. Noch immer sah Hoffmann sie durchdringend an. «Und Sie, Schwester? Wie lange haben Sie heute noch Dienst?» Diese Frage irritierte Maja ein wenig: Sollte das ein Flirtversuch des Dicken werden? «Ich bleibe solange im Dienst, wie es erforderlich ist! Und zur Zeit ist meine Anwesenheit wichtig, wie mir scheint!» Sie erwiderte seinen Blick. So schnell würde sie sich nicht einschüchtern lassen. Hier hatte sie Heimvorteil.

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