Ich habe heute einen Prokrastinationstest der Uni Münster gemacht, wonach ich zur Elite der Prokrastinierer gehöre, bin an der Spitze unter den besten 5%! Auf gar keinen Fall darf das SOKRATES, den kafkASKen Fortsetzungsroman tangieren; er ist mir eine Sucht. Folge 250:

Uri Bülbül
Plötzlich wurde die Tür zum Cockpit aufgeschlossen, was ausgeschlossen war und dennoch geschah. Auch wenn dies keine zivile Passagiermaschine war, sondern ein Reiseairliner der Armee und des Kriegsministeriums, was beschönigend offiziell „Verteidigungsministerium“ genannt wurde, galten für das Cockpit dieselben Sicherheitsbestimmungen wie bei zivilen Passagierflugzeugen. Die Tür war von außen nicht zu öffnen. Dabei war es bei dieser Sicherheitstechnik sogar schon einmal zu einem tragischen Absturz gekommen, als der Kapitän eines Reiseflugzeugs nach Erreichen der Reiseflughöhe auf die Toilette ging und sein Kopilot in suizidaler Absicht, wie vermutet und nach Indizien bestätigt wurde, den Sinkflug einleitete, bis die Maschine gegen einen Berg prallte. Niemand hatte daran gedacht, dass ein Pilot bzw. sein Kopilot auf diese Weise ein Flugzeug zum Absturz bringen könnte. Am allerwenigsten der Käptn, der austreten ging und nicht mehr in sein Cockpit zurückkam. Seine verzweifelten Klopfzeichen, Versuche die Tür zu öffnen und seinen Kopilot zu rufen waren zwar auf den Aufzeichnungen der Blackbox zu hören, aber wurden von seinem Kopiloten nicht erhört. Er programmierte den Computer auf konsequenten Sinkflug und damit auf Absturz, ganz gleich, ob die Passagiere und die anderen Besatzungsmitglieder dabei auch ihr Leben verloren wie er seines, auf das er, aus welchen Gründen auch immer keinen Wert mehr legte. Es gab auch an Verschwörungstheorien grenzende Hypothesen, dass Abgase, die ins Cockpit drangen gesundheitsschädlich waren und in Dosen, wie sie die Piloten abbekamen als Nervengift fungierten und zu Wahrnehmungsstörungen, Bewusstseinsaussetzern und Depressionen führten. Konnte man so das Verhalten des Kopiloten erklären, der einfach kurz entschlossen, als sein Pilot und Chef das Cockpit verließ, die Gelegenheit wahr- und sich und allen anderen im Flugzeug das Leben nahm? Konnte so etwas also immer wieder passieren, solange die Flugzeugbauer nicht teure Umbaumaßnahmen der Cockpitbelüftung durchführten? Marcellus Adonis Narrat, der im Morgenmantel in der offenen Cockpittür stand und den erschrockenen wie überraschten Piloten grinsend über die Schulter schaute, hatte zu dieser Hypothese eine Gegenhypothese: Die unverschämte Pilotenvereinigung, diese Quasigewerkschaft des fliegenden Personals nutzte den Fall des selbstmörderischen Kopiloten, teure und unsinnige Forderungen mit Gerüchten durchzusetzen. Ob Piloten später mit Folgeschäden ihrer Berufsausübung ihren Beruf aufgeben mussten und ohne Entschädigung in Frührente gingen oder nicht, interessierte Marcellus Adonis Narrat herzlich wenig. «Guten Tag, meine Herren», grüßte er seine Crew. Gezielt warf er einen Blick auf den Bordcomputer. «Sie müssen ihn neu starten und programmieren. Hat wohl einen kurzen Aussetzer gehabt», konstatierte er, während der Käptn überrascht, ja fast schon aufgeregt feststellte, dass der Computer den Autopiloten abgeschaltet hatte. Er übernahm hektisch die manuelle Steuerung.

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