Richtige Schlafstörungen sehen bestimmt anders aus. Ich bin gegen 22.00 Uhr schon eingeschlummert. Warum auch immer träume ich von meiner facebook-Startseite, bekomme Gedankenrasen und wache wieder auf: SOKRATES Folge 251: Finsternis.

Uri Bülbül
«Nur die Ruhe, mein Bester», sagte Narrat, als er beruhigend dem Käptn die Hand auf die Schulter legte, was den Piloten keineswegs beruhigte; denn es geschah etwas, was nicht geschehen durfte: ein Passagier drang in sein Cockpit und schaute ihm über die Schulter, während zugleich der Bordcomputer sich abmeldete und der Autopilot sich abschaltete. An sich keine Katastrophe, aber wie konnte das geschehen? Der alte Mann im Morgenmantel beließ es nicht bei seiner unplanmäßigen, ja unmöglichen Anwesenheit im Cockpit, die von den Piloten sicher nicht erwünscht waren, er befingferte auch die Navigation: «Oh, wir sind schon fast über Portugal. Das ist ja schön!» «Schön wäre es, wenn Sie wieder das Cockpit verlassen würden, mein Herr!» brachte der Käptn nun endlich heraus. Das aber störte Adonis nicht im Geringsten: «Sinnvoll aber wäre es, bevor wir über den Atlantik bis Gabun halb Westafrika umfliegen müssen in Faro einen Zwischenstopp einlegen und noch einmal sicherheitshalber auftanken!» Er ließ seine Finger trotz Aufforderung nicht vom Computer. Flink huschten seine Finger über die Tastatur, bis ihm der durchschnittliche Treibstoffverbrauch des Fluges gezeigt wurde. «Hmmm, alles im grünen Bereich, aber dennoch landen wir auf Aeroporto de Faro!» Dann trat er einen Schritt zurück, um für etwas Entspannung zu sorgen. Der Kapitän programmierte wortlos, um dann wieder auf Autopilot umzuschalten. Alles an Technik im Cockpit funktionierte tadellos; wie konnte da der Computer einen Aussetzer haben? «Und von Faro aus nehmen wir zunächst Kurs auf Casablanca und denken Sie bitte daran, nicht näher als siebzig Meilen an die Küste kommen.» «Wir könnten auch auf Fuerte Ventura landen», bemerkte der Käptn, der so einfach seine Souveränität nicht abgeben wollte. «Wenn Sie einen Vertrag mit dem dortigen Touristenflughafen haben», bemerkte Narrat süffisant, «dann gerne!» Um das Gespräch in eine etwas freundlichere Bahn zu lenken, sprach Adonis die Piloten auf die Flugbegleiterin an: «Sie haben ja ein interessantes, ich möchte sagen außergewöhnliches drittes Crewmitglied an Bord!» Kurz herrschte eisiges Schweigen, dann erwiderte der Käptn: «Sie meinen sicher sich selbst, mein Herr! Willkommen im Team!»
Schwarz. Nur Schwarz. Alles schwarz. Nichts drang nach außen und nichts kam nach innen. Er konnte noch nicht einmal unterscheiden, ob er seine Augen offen oder geschlossen hatte. Er lag auf einem nicht allzu harten Boden, gepolstert. Schwarz. Zu dieser Finsternis gesellte sich noch der Kopfschmerz. Er hatte Durst. Und als er sich aufrichtete, bemerkte er neben seinem völlig ausgetrockneten Mund auch seinen Nacken, der sich Blei beschwert anfühlte und vollkommen steif. «Uri», bröselte es ihm aus dem Mund, da fiel ihm aber auch der Stromstoß ein, der seinen Körper durchzuckt und alles in ihm erstarrt hatte. Aber das konnte doch nicht alles gewesen sein. Da war noch was. Da war ein Einstich. Wie lange mochte er weggetreten sein?

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