Wer ist nur diese mysteriöse Flugbegleiterin in dem Luxusairliner dieses ebenso mysteriösen Marcellus Adonis Narrat? Und wohin geht die Reise des Brutalokommissars Alfred Ross, der mir allmählich Leid zu tun beginnt. Ist er wirklich ein so mieser Kerl? SOKRATES Folge 253:

Uri Bülbül
Der Kopilot schaltete die Sprechanlage ein: «Ja bitte!» Es war die Stimme der Flugbegleiterin und wieder fragte sich der Käptn sofort, woher er diese Frau kenne und warum sie ihm so vertraut und bekannt vorkomme. In jedem Fall war sie eine interessante Persönlichkeit und der Käptn wurde das Gefühl nicht los, dass sie mehr war als eine Flugbegleiterin, wenn sie denn überhaupt eine Flugbegleiterin war. «Ich würde gerne mit dem Käptn unter vier Augen sprechen!» sagte sie. Die Piloten sahen einander ratlos und fragend an, während der Kopilot den Eindruck hatte, dass seinem Vorgesetzten die Kinnlade vor Staunen herunterfiel. Ein leicht verdutztes Gesicht hätte er verstanden, da er wahrscheinlich selbst ein solches machte. Aber der Anflug von schierer Debilität, die die Miene des Flugkapitäns für schier endlose Sekunden überkam, war mehr als übertrieben. Die Flugbegleiterin konnte an der Sprechanlage das Knistern des Erstaunens im Cockpit schier spüren. Sie wartete geduldig auf das Ende des Schweigens am anderen Ende der Leitung. Der Kapitän hatte große Lust, sich mit der Flugbegleiterin unter vier Augen zu unterhalten, wie sie es begehrte. Es konnte Nähe zu ihr bedeuten, und er fühlte sich magisch von ihr angezogen. Diese Fragilität und Stärke die sie zugleich in ihrer Ausstrahlung miteinander verband, faszinierte ihn absolut, auch wenn er überhaupt keine Ahnung hatte, was sie dazu bewog, ein Gespräch unter vier Augen mit ihm zu suchen. Das wiederum steigerte seine Neugier und Motivation umso mehr.
Schwarz. Tiefschwarz. Und nun plötzlich auch das seltsame Gefühl bei brennendem Durst und massivem Harndrang, dass sich der Raum bewegte. Er schien sich zu drehen, zu neigen, zu kippen. Angstschweiß stand ihm auf der Stirn. Auf jeden Fall war der Raum hoch genug, dass er darin aufrecht stehen konnte. Er tastete sich allmählich nach vorn. Was hat diese Irrenhausschwester mit mir nur gemacht? fragte er sich. Befinde ich mich in einer absolut abgedunkelten Gummizelle? Plötzlich fühlte er an den Fingerspitzen seiner tastenden Hände. Er fühlte eine Wand, weich gepolstert, aber mehr zur Lärmdämmung als zur Verhinderung von Verletzungen bei Tobsuchtsanfällen in der Zelle. Vorsichtig tastete er sich an dieser Wand entlang, als habe er nun endlich einen Ankerpunkt gefunden, von dem aus sein Bewusstsein neu starten konnte. Kurz schien sogar der Druck auf seiner Blase nachzulassen. Nach einigen Sekunden des vorsichtigen Vorantastens stolperte er über etwas, was eine größere Plastikbox sein konnte. Er sah aufgeregt an sich herab, um zu erkennen, was seine Füße berührt hatten, aber es blieb natürlich alles schwarz. Vorsichtig beugte er sich vor, dann ging er in die Knie, um zu ertasten, was er für eine Kiste vor sich hatte und seine Überraschung war ebenso groß wie die Vorfreude auf seine bevorstehende Erleichterung. Diese schwarze Zelle, in der er sich befand war höchstwahrscheinlich wohl durchdacht: eine Campingtoilette.

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