Sokrates, des kafkASKen Fortsetzungsromans Folgen 254 und 255 *-*

Uri Bülbül
Auf einem Tisch befanden sich zwei optische Mikroskope und daneben war ein größeres Elektronenrastermikroskop. «Du bist gut ausgestattet, Viktor. Dir fehlt es an nichts. Ob ich etwas Zeit mitgebracht habe? Wozu brauchst du Zeit? Und wie hätte ich sie dir mitbringen können?» Typisch Basti, dachte Viktor. Und wenn man ihn darauf aufmerksam machte, dass er etwas falsch verstanden hatte, würde er sicherlich sagen, dass er natürlich wisse, dass man keine Zeit mitbringen könne. Und dann hätte man die Diskussion mit ihm, warum man so etwas sagt, wenn man es doch gar nicht kann. «Viktor, was ist Zeit? Sie ist doch kein Gegenstand? Existiert sie überhaupt? Ich meine, so, dass man sie irgendwo anfassen kann? Ich habe dir meinen Freund Rudi mitgebracht. Aber er weigert sich deine Hütte zu betreten. Er hat offensichtlich Angst vor dir. Du tust ihm doch nichts, oder?» Viktors Nasenflügel blähten sich zitternd auf. Er brachte ein etwas gequältes Lächeln hervor: «Aber nein, natürlich nicht. Dieses Rüsselschweinchen ist also dein Freund? Deine Freunde sind sicher vor mir. Das weißt du doch!» «Ja, das weiß ich doch. Und Lara wäre auch beinahe mitgekommen. Aber sie ist so unruhig in der Fremde und immer so unsicher. Und dann will sie ganz schnell in sicheres Terrain.» «Sicheres Terrain? Sagtest du „sicheres Terrain“?» Basti sah Viktor ausdruckslos an: «Na und?» «Ich habe mich halt gewundert. Du benutzt solche Fremdwörter sonst nicht.» Basti verstand nicht, worauf Viktor hinaus wollte, und es interessierte ihn auch nicht weiter. Er hätte gerne Lara und Viktor miteinander bekannt gemacht. Aber Nadia hatte sich ja ihrer angenommen und sie auf dem kürzesten Weg aus dem Hattinger Wald gebracht. Wahrscheinlich war Lara jetzt schon bei ihrer Mutter in der Psycho-Villa und konnte sich kaum noch daran erinnern, was sie und er im Wald erlebt und was für eine unruhige Nacht sie bei Bellarosa verbracht hatten. «Ich war mit einer Freundin aus der Villa unterwegs. Sie heißt Lara @derherbstinmir. Sie und ich waren bei Bellarosa. Aber wir kannten sie vorher nicht. Wir haben sie zufällig kennengelernt. Und dann war es zu spät und schon zu dunkel für den Rückweg. Da haben wir bei Bellarosa übernachtet.» «Ihr habt bei Bellarosa übernachtet?» fragte Viktor erstaunt. «Aber ja, das habe ich dir doch schon erzählt!» «Ja, ja», Viktor versuchte sein Erstaunen zu überspielen. Zerstreut schob er ein paar Gläser hin und her, als wollte er Ordnung auf dem Labortisch schaffen. «Ist was?» fragte Basti, dem Viktors Verwirrung nicht entgangen war. «Ach nichts. Ich dachte nur, du seist alleine mit deinem Rüsseltier bei Bellarosa gewesen.» «Nein, Lara war auch dabei», erwiderte Basti mit einem unüberhörbar trotzigen Unterton. «Nun ja, wenn du es so für richtig befunden hast», beschwichtigte Viktor. «du weißt ja, das ist nicht gerade mein Spezialgebiet. Ich kenne mich damit nicht so gut aus wie du.» «Es hat sich so ergeben», antwortete Basti. «Lara war eben dabei!»

View more