Nach der Anwesenheit der Abwesenheit und einer Stammtischrunde mit @Graf_Otto , Sokrates und Nietzsche und der überschwänglichen Herzerei von @Gehirn_Zelle soll doch der November nicht ohne eine Folge von SOKRATES beginnen: Folge 256:

Uri Bülbül
«Aber Herr Oberstleutnant...» Der Kapitän winkte ab. Sie waren schon unter zehntausend Fuß; er brach den Anflug auf Faro ab, funkte die Kursänderung durch, ließ sich von der Flugsicherung bestätigen, dass er freie Bahn hatte, wieder auf Reiseflughöhe zu gelangen den Flug Süd-Süd-West fortzusetzen. Seinem Kopiloten war dieser Sinneswandel keineswegs geheuer. Gegen die Vorschriften hatte der Kapitän einer Unterredung unter vier Augen mit der seltsamen Flugbegleiterin zugestimmt, hatte das Cockpit verlassen und war nach etwa zehn Minuten wieder gekehrt. Als er ging, war der Anflug auf Faro in Portugal gerade eingeleitet gewesen. Der zweite Mann im Cockpit hatte übernommen und ohne Komplikationen die Maschine so weit gebracht, dass sie in wenigen Minuten hätten landen können. Aber der Kapitän war wie verwandelt wieder zurück gekommen. «Wir fliegen Faro nicht an!» Keine Erklärung. Nichts. Der Kopilot starrte nachdenklich auf den künstlichen Horizont. Über 30° Steigungswinkel! «Er soll ruhig spüren, was wir machen!» kommentierte der Kapitän das Manöver. Das roch nach Konflikt, das roch nach Ärger. «Jetzt weiß ich es...», redete der Kapitän für seinen Kopiloten etwas unverständlich und ohne Zusammenhang, «Frühstück bei Tiffany!» «Wie bitte?» «Sie scheint eine Seelenverwandte von Mrs. Doolighty zu sein!» Der Kopilot schüttelte den Kopf. Vielleicht würden das die interessantesten Flugstunden seiner Karriere bei der Luftwaffe werden. Außerdem war er ein Liebhaber alter Filme, was nun auch nicht unbedingt einen wirklichen Sinnzusammenhang ergab. Aber im Moment ergab nichts wirklich Sinn. «Mrs. Holly Golightly!» korrigierte er seinen Chef. Dieser Begriff selbst im ersten Moment nicht: «Was?» «Ihr männlicher Schauspielpartner wurde später als Colonel John „Hannibal“ Smith, der Leiter des A-Teams populär. Er hieß George Peppard.» «Was für Augen! Was für eine Ausstrahlung! Eine unverwüstliche Lebensfreude!» Was auch immer sich in den zehn Minuten vor dem Cockpit abgespielt haben mochte, auf eine rätselhafte Weise schien es das Leben zu verändern wie den Flugplan. Es donnerte plötzlich und hämmerte jemand gegen die Cockpit-Tür. Die Piloten sahen einander an. Und der Käptn sah ein riesengroßes Fragezeichen in den Augen seines Kopiloten. Er holte etwas Kleines aus der Brusttasche seines Hemdes und hielt es dem Kopiloten triumphierend hin: «Schau einer sich das an! Ein kleiner elektronischer Unterbrecher, der die gesamte Bordelektronik für einen Bruchteil einer Sekunde lahm legt, wodurch sich auch die Cockpit-Tür öffnen lässt!» «Filomena hat es mir gegeben», sagte der Kapitän. «Macht auf, ihr Schwachköpfe! Ihr kommt vor das Kriegsgericht!» schrie Methusalem hämmernd vor der Tür. Für den Kopiloten ließ das A-Team grüßen! Abenteuer? Ja, bitte! lautete nunmehr das Motto des Fluges. «Herr Oberstleutnant, mitgefangen, mitgehangen! Was auch immer Sie nun vorhaben, ich bin dabei», sagte der zweite Mann. Wieder polterte es an der Cockpit-Tür.

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