Ein verregneter 6. November, dennoch ist der Sonntag im Gartenhaus äußerst entspannt; eine Gartenfreundin sagt, ich würde mich mit @Graf_Otto so gut verstehen. Sie hat sich nach meiner letzten Lesung das Profil angesehen. Alles stimmig. SOKRATES Folge 257:

Uri Bülbül
«Macht sofort die Tür auf, ihr Deserteure!» schrie Marcellus Adonis Narrat mit einer für seine Methusalemgestalt ungeheuer kräftigen und bestimmten Stimme. Sie hatte etwas Einschüchterndes und Radikales. Sie hätte auch einem kräftigen Feldwebel gehören können, der seine schludrigen Rekruten zur Raison brüllt. Der Kopilot konnte sich das Lachen nicht verkneifen. Sein Chef nahm das Mikrofon der Sprechanlage und gab im sachlichen und kühlen Ton durch, dass sich die Crew anders entschieden habe und der Anflug von Faro nicht notwendig sei. Sie würden bald wieder ihre Reiseflughöhe erreichen und auf geplanter Route ihren Flug fortsetzen. Es gebe keinen Grund zur Beunruhigung. «Wann ich mich beruhige und beunruhige entscheide immer noch ich ganz allein, du Deserteur!» brüllte Marcellus noch einmal und seine Faust donnerte wie Thors Hammer gegen die Cockpit-Tür, als könnte dieser Schlag das gesamte ungehorsame Cockpit vom Rest des Airliners abspalten!
«Da bist du ja. Deine Mutter hat dich die ganze Nacht gesucht. Sie war sogar schon bei der Polizei und ist mit einem Kommissar und seinem Försterfreund und dessen Spürhunden wieder zurück gekommen. Sie wollen den ganzen Hattinger Wald nach Basti und dir absuchen.» Mit großen Augen stand Lara ausdruckslos vor Schwester Maja und versuchte sich die Erfolgsaussichten der Suche auszumalen. Sie fühlte sich so, als käme sie gerade von einer Dschungel-Expedition zurück. Wie lange war sie nur weg gewesen? «Komm mit ins Schwesternzimmer. Wir rufen deine Mutter und den Kommissar an und sagen ihnen, dass du wieder zurück bist. Vielleicht kannst du uns auch sagen, wo Basti ist, dann müssen wir nicht mehr nach ihm suchen», sagte Schwester Maja. Noch immer teilnahmslos und abwesend folgte ihr Lara ins Schwesternzimmer und murmelte kaum hörbar: «Die ganze Nacht?» Unterwegs kam ihnen @Gedankenkammer entgegen. Er nickte der Schwester kurz freundlich zu, Lara aber sprach er an: «Hallo Lara! Wie geht es dir? Alles in Ordnung bei dir? Du guckst so...» Schwester Maja unterbrach ihn ungeduldig. «Ben, wir wollten gerade Laras Mutter Bescheid geben, dass Lara wieder bei uns ist, damit sie sich keine Sorgen mehr machen muss.» Sie war zwei Schritte weiter gegangen und hatte sich nur halb umgedreht wie eine ungeduldig wartende Museumsführerin, die ihren Zeitplan einzuhalten hat und überflüssige Trödelei nicht dulden kann. Lara aber blieb davon ungerührt stehen, als wollte sie sich genug Zeit für den freundlichen junge Mann nehmen. Schwester Maja trat ungeduldig von einem Bein auf das andere. Die beiden beachteten ihre Ungeduld nicht weiter. Lara spürte allzu deutlich, dass Ben ihr etwas mitzuteilen versuchte, was nicht unbedingt für die Ohren der Schwester bestimmt war. Sie sahen sich vielsagend und tief in die Augen, aber was Lara erfahren sollte, schien noch nicht bei ihr anzukommen. «Was ist jetzt, Lara? Kommst du? Ich habe schließlich auch noch etwas anderes zu tun!» sagte Schwester Maja.

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