11.11. Freitag, 11:11 Uhr habe ich verpasst, die 11111. Folge des SOKRATES-Romans ist noch nicht geschrieben, dafür aber Folge 259:

Uri Bülbül
«Immanuel Kant nannte Swedenborg einen unbekannten Narren und „Erzphantasten unter allen Phantasten“ und schrieb: „ ... wenn ein hypochondrischer Wind in den Eingeweiden tobet, so kommt es darauf an, welche Richtung er nimmt, geht er abwärts, so wird daraus ein F -, steigt er aber aufwärts, so ist es eine Erscheinung oder eine heilige Eingebung.“ Mit anderen Worten alle Geisterseher haben also einen Furz im Kopf!» Lara blickte immer noch stumpf vor sich hin. Es sah nicht einmal im Entferntesten danach aus, als würde sie sich die geringste Mühe geben, Ben zu verstehen. Er rang noch einmal um ihre Aufmerksamkeit: «Lara?» Sie reagierte nicht. Eine Sekunde versetzt schallte Schwester Majas Stimme durch den Korridor: «Lara!» Wie aus der Lethargie gerissen und dankbar um diesen Ruf, setzte Lara sich in Bewegung: «Ja, ich komme.» Ben trat höflich zur Seite. Er konnte seine Enttäuschung nicht verbergen; sie wurde aber dennoch nicht wahrgenommen. Lara stapfte einfach weiter. Schwester Maja lächelte ihr zu, als sie ins Schwesternzimmer eintrat, an dessen Tür sie stehen blieb und wartete, bis das Mädchen eingetreten war. Dann streckte sie ihren Kopf noch einmal zurück in den Flur und strafte @Gedankenkammer mit einem böse funkelnden Blick. Sollte das eine Art von Warnung gewesen sein, so traf es ihn hart. Kaum im Zimmer musste Lara schon wieder an Ben denken und es tat ihr furchtbar Leid, dass sie ihn so stehen gelassen hatte. Am liebsten wäre sie wieder zu ihm zurück gegangen. Aber unentschlossen und reglos blieb sie einfach mitten im Raum stehen. «Komm! Setz dich doch bitte auf diesen Stuhl! Ich will dich kurz durchchecken, bis deine Mutter kommt. Ich habe ihr schon Bescheid gesagt. Kommissar Hoffmann und sie kommen gleich zu dir. Ich will ganz sicher gehen, dass dir nichts fehlt.» Sie leuchtete mit einer kleinen Stabtaschenlampe in Laras Augen, dann wies sie Lara an, mit ihren Augen der Spitze ihres Zeigefingers zu folgen, bis der Finger zur Seite aus dem Blickfeld verschwand. In diesem Moment hörte man Ben im Flur laut und wütend brüllen: «Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen sich deine Schulweisheit nichts träumen lässt. Und du bist nicht die Torwächterin, auch wenn du dich so aufführst und es gerne wärst! Du bist es nicht!» Dann gab es noch ein kurzes Gepolter. Danach wurde es still auf dem Korridor. Lara drehte sich beunruhigt zur Tür. «Ach, Rufus bringt Ben auf sein Zimmer. Es ist alles gut. Du kannst ihn ja später besuchen und dich ganz in Ruhe mit ihm unterhalten. Vielleicht kann er dir ja erklären, was er dir sagen wollte.» Schließlich forderte die Schwester Lara auf, ihren Unterarm frei zu machen, band den Druckgürtel um und pumpte ihn auf. Sie war mit dem Messergebnis nicht unzufrieden. «Etwas niedrig, aber nicht schlimm», stellte sie fest. Da fiel Lara der Biss an ihrem Hals wieder ein: «Ich glaube, mich hat hier am Hals etwas gebissen!» Sie fuhr mit der Fingerspitze über die Stelle an ihrem Hals, wo nichts mehr zu fühlen war.

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