Oh, ich habe einen Follower verloren! Weiß jemand, wo diese Person abgeblieben ist? Leute tauchen auf und verschwinden - das könnte die einfache Formel für SOKRATES sein, wenn es da nicht den Wahnsinn gäbe und hier die Folge 260:

Uri Bülbül
Die Flugbegleiterin hatte sich in die Teeküche zurückgezogen, machte sich gerade Wasser für einen Tee heiß und wartete ab, dass sich Adonis wieder beruhigte. Er konnte ja nicht ewig vor dem Cockpit toben und gegen die Tür hämmern. Und tatsächlich wurde es still. Kurz ließ die Anspannung in ihr nach, sie fühlte eine Erleichterung in sich aufsteigen, als plötzlich die Schiebetür zur Türküche aufgerissen wurde. Ihr entfuhr ein kleiner Schreckensschrei. Vor ihr stand Marcellus Adonis Narrat und es war nicht übertreiben zu sagen, dass er vor Wut Feuer spie. «Das werden Sie mir büßen! Sie ahnen ja nicht im Geringsten, mit wem sie sich da angelegt und worauf Sie sich eingelassen haben!» Der kurze Aufschrei durch den Schreck war die einzige Blöße, die sie sich zu geben erlaubte. Gefasst und kühl erwiderte sie seinen zornigen Blick. «Sie haben mich bestohlen!» schrie der alte Mann! «Sie gefährdeten ernsthaft mit Ihrem Spielzeug die Flugsicherheit. Ihr elektronischer Unterbrecher wurde vom Flugpersonal konfisziert.» Blitzschnell ergriff er ihren Hals und drückte ihr die Kehle zu. Mit so viel Kraft hatte sie nicht gerechnet. Sie hechelte, während es ihr schwarz vor Augen wurde. Aber sie verzichtete auf Gegenwehr, um ihn mit ihren furchtlosen Augen zu fixieren. Verunsichert ließ er los. Sie hatte ihn psychisch besiegt. Das war mehr als Taekwondo. Wortlos wandte er sich ab. Sie aber setzte ihm nach: «Ich behalte Sie im Auge Narrat. Ich behalte Sie sehr aufmerksam im Auge.» Luisa schlief tief und fest. Ihm wurde es bei ihrem entspannten Anblick warm ums Herz.
Das Flugzeug hatte seine Reiseflughöhe wieder erreicht und den portugiesischen Luftraum längst verlassen. Um nicht über Marokko zu fliegen, hatten sie einen südwestlichen Kurs eingeschlagen. Unter ihnen war nur der Ozean. Filomena betrachtete die Würgemale an ihrem Hals. Was für ein kräftiger Griff. Er hätte ihr beinahe den Kehlkopf zerdrückt. Plötzlich fühlte sie sich schwach, da nun die Gefahr vorüber war. Und sie war froh, es nicht mit physischer Gewalt versucht zu haben, obwohl dies der erste Impuls in ihr gewesen war. Wozu all diese Spezialausbildung, wenn sie sie nicht einsetzte? Aber ihre mentale Überlegenheit war in diesem Fall die bessere Waffenwahl gewesen. Mit zitternden Knien setzte sie sich auf einen Klappsessel, den sie aus der Wand zog, schloss die Augen, um tief Luft zu holen. Sie konnte und wollte nun ihren Tee genießen. Im Cockpit fasste sich endlich der Kopilot ein Herz: «Gestatten Sie, Herr Oberstleutnant, eine Frage?» Der Käptn schwieg. Der Käptn schwieg und der Kopilot fasste es als eine Zustimmung auf, weil er das so deuten wollte: «Was geht hier vor?» Dieselbe Frage stellte sich auch Alfred Ross in seiner Finsternis, der allmählich begonnen hatte zu realisieren, dass er sich womöglich gar nicht im Keller der Psycho-Villa befand, sondern wegen des Drucks auf den Ohren und des sich verändernden Neigungswinkels des Bodens: in einem Flugzeug. Oder war er einfach verrückt geworden?

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