Es ist fast schon unheimlich: Meine erste geschiedene Frau fragt mich über Facebook nach der 260. Folge des SOKRATES. Er ist ein Fortsetzungs- und kein Abrechnungsroman ;) Hier schon die Folge 261, liebe Gundi:

Uri Bülbül
Der plötzliche Kurswechsel des Flugzeugs hatte Alfred Ross den Boden unter den Füßen weggezogen. Er hatte sein Gleichgewicht verloren und war in eine Ecke des Containers gerollt. Während der Durst ihn innerlich verbrannte, lag er völlig orientierungslos da. Nun hätte er auch seine Campingtoilette nicht wieder finden können. Er musste bei Null anfangen. Schwarz. Nichts als Schwarz vor den Augen. Er schloss und öffnete die Lider, noch einmal und noch einmal. Nichts änderte sich. Er hatte immer dasselbe Schwarz vor Augen. Kurz bevor es ihm den Boden unter den Füßen wegzog, hatte er noch einen hoffnungsvollen Gedanken gehabt: wer ihm eine Campingtoilette installiert hatte, hatte auch bestimmt an etwas zu trinken gedacht. Dann verlor er das Gleichgewicht. Was hatte diese Frau, diese Irrenhausschwester mit ihm gemacht? Was hatte sie ihm injiziert? Das ging in jedem Fall weit darüber hinaus, ihren Patienten beschützen zu wollen. Warum überhaupt hatte dieser Uri Nachtigall einen Patientenstatus erhalten? Wer hatte ihn in die Villa eingewiesen? Nichts ging mit rechten Dinge zu – das war klar. Und ebenso klar war, dass er nun kläglich verdursten würde, wenn er nicht bald ein Schlückchen zu trinken fand. Johannas Schwester Luisa zu helfen, ihr beizustehen und sie gegebenenfalls aus den Fängen dieses alten rätselhaften Mannes zu befreien, war in der Finsternis, in der er sich befand, in unerreichbare Ferne gerückt, war vom schwarzen Loch seiner Gefangenschaft verschluckt worden. Und er selbst? Er war wahrscheinlich in die Liste der verschwundenen Leute eingegangen.
Viktor ging an sein ThinkPad, klappte den Deckel hoch und startete den Rechner. Eine Viertelminute später gab er sein Passwort, das auffällig lang war, ein, wartete bis der Rechner hochgefahren war. Indessen sprach er vor sich hin, so dass Basti nicht recht wusste, ob sich sein Gelehrtenfreund mit ihm oder mit sich selbst unterhielt: «Bei Bellarosa habt ihr übernachtet. Nun gut, nun gut. War da dein Schnüffelfreund auch dabei? Und hatte er keine Angst, in das Turmhäuschen hinein zu gehen? Offensichtlich mag er mich nicht; denn in meine schiefe Hütte kommt er nicht!» «Ja, sehr komisch. Ich weiß auch nicht, was er hat, Viktor. Oh! Wie flink du tippen kannst!» Inzwischen war das ThinkPad hochgefahren. Es waren nur Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen zu sehen. Viktor tippte in einer erstaunlichen Geschwindigkeit, der Computer antwortete ihm mit vielen Zeichen, er las diese und schrieb schnell wieder zurück. «Hast du keine Symboloberfläche?» «Doch, natürlich auch. Aber über den Terminal geht es schneller. Von mir aus kann dein Freund auch draußen bleiben. Ich bin nicht beleidigt, nur erstaunt. Oder ihn haben alle seine Instinkte trotz des langen Rüssels verlassen. Wie auch immer! Es gab einst einen wirklichen Experten für diese Dinge; er schrieb ein mehrbändiges Werk über die „himmlischen Geheimnisse“ und wurde dafür von einem berühmten Philosophieprofessor dafür beschimpft.» «Wofür beschimpft?»

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