Bis zum Wiedersehen mit der schönen Richterin werden noch einige Folgen vergehen. Auch Dr. Theresa Wagner ist nicht an der Reihe, obwohl sie zwei sehr interessante Komapatienten in ihrer Obhut hat. Was sie wohl träumen mögen? Aber nein, wir sind ganz woanders! SOKRATES Folge 267:

Uri Bülbül
«Er wollte daraus ein sprechendes Kamel basteln», sagte er unvermittelt und mit für beide überraschend großer Trauer in der Stimme. Die Schwester lächelte, was Ben große Furcht einjagte. Er biss sich auf die Unterlippe, hätte er doch besser die Klappe gehalten! «Ein sprechendes Kamel?» fragte die Schwester und dann konsequenterweise: «Woher weißt du das? War Basti auch in deinen Träumen?» Es konnte schneller ein Verhör werden, als es ihm lieb war. Er zögerte mit der Antwort. Dafür sprach Maja weiter und setzte nach: «Oder erzählst du mir das nur, damit du länger im Sanatorium bleiben darfst?» @Gedankenkammer stotterte: «Ich dachte... ich... ich habe angenommen, ich könnte kommen und ge...ge... gehen, wie ich wollte und solange bleiben, wie es mir gefällt.» Lapidaria lächelte wohlwollend, schier mütterlich. Was sollte er nur davon halten? «Meinst du, Basti kommt nicht wieder?» fragte sie. Darüber hatte er nicht nachgedacht. «Warum sollte er nicht wiederkommen?» fragte Ben. «Wenn ich ginge, käme ich auch wieder – sehr gerne sogar!» «Wohin möchtest du denn? Wieder nach Hause?» «Ich...» er zögerte. Es war schon ein Verhör, aber er wusste nicht, wohin das führen sollte. Eigentlich war er gekommen, um selber etwas zu erfahren. Nun schien sich die Situation umzukehren. «Darf ich aus den Legosteinen ein Kamel basteln» Maja zog die rechte Augenbraue hoch: «Ich bin erstaunt! Das musst du nicht tun, um hier bleiben zu dürfen. Du darfst bleiben, du darfst gehen und wieder kommen – ganz wie du möchtest. Du kannst auch in Kants „Geisterseher“ schmökern, so viel wie du willst.» Das war die Gelegenheit: «Ich würde darüber auch sehr gerne mit diesem Theaterphilosophen reden.» Wieder ging die Augenbraue hoch. «Was hast du nur mit diesem Uri?» «Nichts. Ich will mit ihm reden. Aber...» Maja hakte sofort nach: «Aber was?» Ben wirkte zerstreut, scheinbar konnte er sich nicht konzentrieren. Das schien ihm die beste Maske. Schwester Maja aber hatte ganz andere Mittel: «Nun gut, Ben, wie du willst. Ich lege Dr. Zodiac deine Entlassungspapiere vor. Er wird sie sicherlich unterschreiben. Auf Doktor Parranoia können wir lange warten. Aber wir machen das schon.» «Nein, bitte nicht! Ich will noch bleiben! Sie haben doch gesagt... ich will noch mit Uri Nachtigall reden. Ich habe Fragen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen?» «Ja, sehr gute Fragen. Und voir allem: Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben!» «Nein, nein, wer denkt denn ans Aufgeben?» erwiderte Ben. «Wenn Sie für mich bei Uri Nachtigall ein gutes Wort einlegen... Ihre Meinung schätzt er hoch – sehr hoch – bestimmt höher als...» Ben brach ab und grinste in sich hinein. Er konnte auch Machtspielchen spielen, wenn es sein musste. Und scheinbar musste es sein. Wer also hatte mehr Macht: der sprechende Zauberspiegel oder die Königin? «Höher als wer?» fauchte die Psychiatrieschwester.

View more