Es gibt noch so viele interessante Fragen zu beantworten. Vor allem möchte @Gehirn_Zelle die Sache mit den Lebenslügen vertiefen. Heute aber ist der kürzeste Tag des Jahres und ich habe keine Zeit, ha, ha Aber Sokrates hielt schon einen Roman für eine Lüge. SOKRATES Folge 268

Uri Bülbül
Ben @Gedankenkammer konnte innerlich triumphierend in aller Ruhe und Genüsslichkeit herumtrucksen. Schwester Maja aber war kurz davor, ihre Geduld und Fassung zu verlieren: «Zu wem hat Uri Nachtigall hier noch Kontakt?» «Ich... ich... naja, mich hat Nadia... sie hat...» «Ach, Nadia!» brauste Maja auf. «Das hätte ich mir auch denken können!» Das also war es, was @Gedankenkammer beunruhigte. «Was war mit Nadia?» fragte sie. Dieses Mal ruhiger und hilfsbereiter, womit sie Ben ermuntern wollte, sie als Bündnispartnerin auf seiner Seite zu sehen. «Sie verlangte von mir, ihn in Ruhe zu lassen. Und es war ihr sehr ernst damit.» «Wann?» «Uri Nachtigall wollte Luisa ins Krankenhaus fahren, und ich habe versucht, ihn daran zu hindern. Da hat sich Nadia eingemischt. Plötzlich war sie da, wie aus dem Nichts stand sie im Flur vor mir und hat mich auf mein Zimmer geschickt!» Schwester Maja wirkte sichtlich gerührt: «Oh, Ben! Wie lieb von dir! Du hast versucht, mir zu helfen! Das wusste ich nicht. Auf deine Frage: Was kannst du wissen? würde ich jetzt antworten: du weißt, was du tun sollst, wenn dich die Hoffnung trägt, dass du weißt, was richtig ist.» «Apropos Hoffnung», versetzte Ben, «wissen Sie ob und wann Luisa wieder kommt?»
Schwarz, noch immer einfach nur schwarz. Alfred Ross hatte aber nun ein Suchsystem entwickelt: er schritt einfach ganz langsam mit dem linken ausgestreckten Arm an der Wand, die er mit den Fingerspitzen nur berührte, den Raum ab; den rechten Arm ließ er wie einen Radar um sich kreisen und stolperte bald wieder, weil die Campingtoilette unterhalb seines Armradars lag, über sie. Er umging sie dann und setzte seinen Weg fort und stieß tatsächlich auf einen weiteren Gegenstand, den er abtastend als einen großen Wasserspender identifizierte. An diesem Wasserspender waren auch Plastikbecher, so dass er im Dunkeln seinen Durst löschen konnte. Langsam ließen auch die Kopfschmerzen nach, seine Fragen aber blieben dennoch offen unbeantwortet. Er hatte den Wasserspender umarmt, abgetastet, wieder umarmt. Beim Befüllen des Bechers das Geräusch belauscht, analysiert und war zu dem Schluss gekommen, dass seine Entführer ihm etwa 20 Liter Wasser zur Verfügung gestellt hatten. Damit konnte er gut zwei Wochen überleben. Wer ihn auch in dieser Box gefangen hielt; er wollte nicht seinen schnellen Tod. Während er nun bei nachlassenden Kopfschmerzen seine Gedanken zu sammeln versuchte, schien seine in Finsternis gehüllte Welt wieder ins Wanken zu geraten. Der Boden unter seinem Hintern bekam eine Schieflage. Plötzlich hatte er auch wieder Druck auf den Ohren. Nun war er sich sicher, dass er sich in einem Flugzeug befand. Was für einen Aufwand betrieb man, um ihn loszuwerden? Konnte der alte Mann dahinter stecken, mit dem zu kooperieren Alfred Ross sich mehr oder minder deutlich geweigert hatte? Oder die seltsame junge Frau in dem rosa Kleid mit Hütchen auf dem Kopf und Regenschirm in der Hand. Was für ein Äußeres! Als hätte er es nur geträumt.

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