Okay, ask.fm hat beschlossen, das Jahr mit einer Zensur zu beenden. Ich habe jedenfalls meine letzte Antwort nicht selbst gelöscht! Zeit für die letzte Folge des Jahres 2016 des kafkASKen Fortsetzungsromans SOKRATES - Folge 271:

Uri Bülbül
In ein großes Badetuch eingewickelt kam sie ins Zimmer. «Ich mache mich fertig, dann gehen wir Mittag essen», sagte sie und bekam ein zustimmendes Murmeln als Antwort. Lara spielte verträumt mit ihrem Handy. Das war nicht ungewöhnlich. Sie spürte den prüfenden besorgten Blick ihrer Mutter und sah hoch: «Ist was?» «Ach, ich schau nur, ob es dir auch wirklich gut geht!» «Aber ja! Mir fehlt nichts. Komisch nur, dass ich von meinem Spaziergang überhaupt keine Fotos habe.» «Und du erinnerst dich an nichts.» «Ja, ich erinnere mich an nichts, wüsste jetzt nicht mal genau, woran ich mich erinnern sollte. Ich meine, ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich an irgendetwas erinnern müsste. Vielleicht sollten wir einfach nach Hause fahren.» «Willst du gar nicht wissen, was aus Basti geworden ist? Möchtest du nicht noch einmal mit ihm reden, wenn er wieder da ist?» fragte Betti erstaunt. Der Polizist hatte den Verdacht aufgebracht, dass die beiden Jugendlichen womöglich Drogenexperimente unternommen hatten. Aber als er Lara tief in die Augen sah, konnte er keine Anzeichen dafür finden. Das war zwar kein sicherer Beweis; er konnte sich auch irren. Aber es gab keinen dringenden Verdacht auf Drogenmißbrauch, also konnte er keine Blutprobe von Lara fordern. Aber der Verdacht vibrierte durch den Raum und versetzte nun auch etwas in Betti in Alarmbereitschaft, obwohl sie eigentlich ihrer Tochter bedingungslos vertraute. «Ja, ich bin auch dafür, dass wir bald nach Hause fahren, aber ich würde schon noch gerne noch einmal mit Schwester Maja, Uri Nachtigall und Basti reden.» Lara erwiderte nichts. Betti kannte ihre Tochter gut genug, um zu wissen, dass dieses Schweigen keine Zustimmung hieß.
Als Niklas Hardenberg am Mittag Antonios Restaurant betrat, stellte sich ihm fast aufdringlich ein Hilfskellner in den Weg. «Haben Sie einen Tisch reserviert?» «Musste ich das? Ich bin allein!» Der Kellner sah sich hilflos um. In diesem Moment kam Maria um die Ecke. «Guten Tag, Herr Hardenberg! Suchen Sie einen Platz nur für sich oder erwaten Sie noch jemanden?» Der hilflose Hilfskellner machte Platz für die Juniorchefin, zumal sie den Mann gut zu kennen schien. «Ich bin allein. Haben Sie ein nettes Plätzchen für mich?» «Sehr gerne, kommen Sie!» Maria ging vor und während er ihr folgte, ließ er seinen Blick aufmerksam suchend durch die Pizzeria schweifen. Die schöne Richterin und der dicke Kommissar waren nicht zu sehen. Maria führte ihn in eine Ecke in der Nähe der Küche. Es war ein wenig unruhig hier, aber er konnte einen großen Teil des Restaurants und den Eingang gut überblicken. «Sie sind in letzter Zeit häufiger hier», bemerkte sie. «Ja, ja», stammelte Hardenberg unentschlossen, aber dann beschloss er schnell, Marias Offenheit auf die gleiche Weise zu begegnen: «Heute hoffe ich, Bekannte vom Gericht und aus dem Präsidium hier zu treffen.» «Sind Sie verabredet?» Er schüttelte den Kopf: «Nein, ich will sie eher beobachten als mit ihnen reden!» Sie lächelte verschwörerisch.

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