Wer glaubt, dass mir nach Lachen und Scherzen ist, sieht mich nicht. SOKRATES, des kafkASKen Fortsetzungsromans 279. Folge:

Uri Bülbül
Plötzlich spürte sie einen sehr schmerzhaften kurzen Stich am Hals, als hätte sie eine Wespe gestochen. Unwillkürlich fasste sie sich an die schmerzende Stelle. Betti war zwar mit ihren Kleidern und dem Anziehen beschäftigt. Aber Laras unwillkürlich hektischer Griff an ihren Hals entging ihrem aufmerksamen Mutterblick nicht. Sie wollte spontan sofort zu Lara, aber irgendetwas in ihr hielt sie zurück. Es erschien ihr angebacht, die Tochter zu beobachten, als sie mit Fragen und Fürsorge zu bedrängen. Lara hatte das Gefühl, etwas geträumt zu haben. Aber sie hatte ihren Traum komplett vergessen. Überhaupt hatte sie so einiges komplett vergessen und je mehr sie angestrengt versuchte, diesen vergessenen Erinnerungen auf die Spur zu kommen, desto mehr entzogen sie sich ihrem Bewusstsein, was sie sehr ärgerte. Keine Photos, keine Anhaltspunkte, nur die Aussage ihrer Mutter, dass sie etwa 20 Stunden verschwunden war. Ein kleiner Spaziergang mit Basti nach dem Mittagessen, hatte sich in der Realität ihrer Mutter zu zwanzig Stunden ausgedehnt. Stunden, in denen Betti so manches durchlebt hatte. Stunden, die für Lara gar nicht existierten. Einwenig machte Lara das wütend, aber sie besänftigte ihre Wut mit Gleichgültigkeit. Endlich war ihre Mutter so weit, und sie konnten sich auf den Weg in den Speisesaal machen.
In Casablanca-Airport kam der Mercedes der Botschaft an. Im gepanzerten Wagen Pseudonym @Gehirn_Zelle mit dem an Anselm Vogt angelehnten definitorischen Motto, dass das Gehirn ein aus grauen Zellen bestehndes Gefängnis des Geistes sei. Hätte die Assistentin des Militärattachés die Möglichkeit, sich mit Viktor Frankenstein zu unterhalten, wie es Basti hatte, wäre sie sicher mit bohrenden Fragen des Anthropologen und Mediziners nach dem Wesen des Geistes konfrontiert worden. Pseudonym war eine sehr poetische Seele; doch bei aller Poesie war auch ihr scharfer Verstand mit der äußerst scharfsinnigen Logik nicht zu verachten. Ihr Chef wusste, dass sie nicht zu überschätzen war und mit den schwierigsten Aufgaben betraut werden konnte. So wusste er den Auftrag, den er aus der Hardthöhe erhalten hatte in sicheren Händen. Philomena von einem Auftrag abzuziehen, war schon äußerst heikel, und es bedurfte einer gehörigen Portion sensibler Intuition, die Lage in der Sondermaschine des Verteidigungsministeriums abzuschätzen und ebenfalls, ohne viel Aufhebens die Piloten der Luftwaffe zu suspendieren. Ein anderes Team stand im Terminal schon zur Übernahme bereit und wartete nur auf eine Nachricht aus der bereits vollgetankten Maschine. Und im Cockpit wartete ungeduldig der Kopilot, während sein Käptn sich im Küchenraum mit Philomena unterhielt. Vom Tower kam die Anweisung, die Tür zu öffnen und die Gesandte der Botschaft an Bord zu lassen, was der Kopilot über die Sprechanlage an die noch Flugbegleiterin weitergab. Zugleich konnte er sehen, wie eine Treppe an die vordere Tür herangefahren wurde. «Ich muss», sagte Philomena.

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Vanity@Gehirn_Zelle