Nachdem Uri Bülbül aus dem Gehölz in seine Kulturlaube zurückgekehrt war, setzte er sich bei Einbruch der Dunkelheit an sein ThinkPad. Die SOKRATES-Figuren warteten schon auf ihn und sein Avatar nachdenklich und angeschlagen auf seinem Zimmer. Folge 284:

Uri Bülbül
Auf ihn ging er aber gar nicht ein in dieser Folge:
Nun war aber auf dem Weg zu Antonios Restaurant aus dem Hattinger Wald in die Stadt, noch auf dem Waldweg, eine andere Fee aufgetaucht, eine verwunderliche junge Dame mit schwarzen langen Haaren und dunklen Augen unter kräftigen Augenbrauen, die ihr ein ganz charakteristisches Aussehen verliehen, eine Fee, die ganz anders aussah als Susanna, die blond war und funkelnde blaue Augen und eine sommersprossige Nase besaß. Aber beide Frauen stellten Hoffmann vor dieselbe Frage: «Bin ich der Einzige, der uninformiert durch die Welt tappt?» Antonio bekam auch nicht mehr als eine Bestellung mit: zweimal den großen Salatteller des Hauses und eine Karaffe Rotwein, zwei Flaschen Wasser. Ein Korb mit Ciabatta und ein «danke, das war's!»
@derherbstinmir und @liebeanalle kamen in den Speisesaal. An ihrem gewohnten Tisch saß niemand. Uri Nachtigall war nicht da, Basti @Maulwurfkuchen fehlte, mit Marcellus Adonis Narrat hatten sie ohnehin nicht gerechnet. An einem anderen kleineren Tisch saß wieder Ben @Gedankenkammer allein, löffelte gedankenverloren seine Suppe und las gleichzeitig aufmerksam in einem Buch. Er nahm keine Notiz von Mutter und Tochter, die den Saal betraten und erst einmal suchend um sich sahen. Nein, sie fühlten sich beide nicht so recht wohl in der Villa. Eine unaussprechlich komische Atmosphäre drückte auf ihre Stimmung. «Wie es wohl, Luisas Schwester geht?» fragte Betti @liebeanalle. Lara sah sie zwar mit ihren großen strahlenden Augen an, aber ein großartiges Interesse stand nicht dahinter. Sie hatte großen Hunger und freute sich erst einmal einfach nur auf das Essen.
Indes hatte Ben seine Suppe ganz in seine Lektüre vertieft schon ausgelöffelt. Der große Aufklärer, der von der «selbstverschuldeten Unmündigkeit» sprach und dass die Aufklärung die Befreiung davon sein sollte, wobei man sich durchaus mal fragen konnte, ob es eine Selbstbefreiung sein musste oder von einem anderen vollzogen werden konnte, berief sich, soweit @Gedankenkammer es beurteilen konnte, auf die Newtonsche Mechanik. «Kerzenlichtaufklärung vor dem Zeitalter der Elektrizität», hatte Uri Nachtigall das in seinem Buch «Paradieseologie» genannt. «Ich habe nichts gegen Aufklärung, sofern sie pragmatisch vorgeht und die eigenen Grenzen erkennt oder zumindest apeironal mitdenkt», hatte er in der Paradieseologie gelesen. «In der Moderne verklärt sich die Aufklärung selbst zum Mythos. Sie wird zur dogmatischen Arroganz des Besserwissens und des Verteufelns, was nicht in bekannte und vertraute Wissenschemata passt.» Kants Geisterseher-Auseinandersetzung hatte eine gehörige Portion davon. Apropos Paradieseologie wo steckte Uri Nachtigall. Dieser plötzlichen Eingebung folgend hob Ben seinen Kopf vom Buch und Suppenteller hoch, um sich umzusehen. Dabei trafen sich kurz seine und Laras Blicke. Schnell senkten beide die Köpfe. Ihrer Mutter entging auch das nicht. Vorwurfsvoll runzelte sie die Stirn.

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