«Es gab eine ganz normale Welt», ach ja? Nirgendwo ist so viel Irrsinn, wie in dieser unseren «ganz normalen Welt»! Da tauche ich doch lieber in die Welt des SOKRATES, des kafkASKen Fortsetzungsromans ein. Folge 291:

Uri Bülbül
«Warum immer diese Melodie? Warum Yubby dibby dibby dibby dibby dibby dum?» «Was gefällt dir denn daran nicht?» fragte Nadia. «Vielleicht will ich dir damit einfach mal gar nichts sagen. Du begreifst doch sowieso nichts und zuhören und verstehen willst du erst recht nichts. Warum also sollte ich dir immer etwas sagen wollen? Fahr einfach zur Hölle! Ich mag nur diese Melodie, okay?» Alfred Ross spürte, dass er einen klaren Gedanken fassen musste. Er nahm es wörtlich und streckte seinen Arm tastend aus, er tastete blind in die Finsternis. War Nadia nicht zum Greifen nah? Er fühlte aber nichts als Leere. «Wo bist du?» lallte er. «Ach, überall und nirgends. Spielt doch keine Rolle», antwortete sie. «Ich kann dich nicht...» «Finger weg! Meinst du, ich lasse mich von dir in der Dunkelheit befummeln?» Ross seufzte resigniert. «Ich will dich nicht „befummeln“!» «Dann hör endlich auf, mit deinen Griffeln im Dunkeln zu stochern!» «Ich verstehe das nicht! Ich habe Durst!» Seine Zunge klebte wieder an seinem ausgetrockneten Gaumen. «Ja, das ist ein großes Problem! Du hast Durst und trinkst von dem mit Medikamenten versetzten Wasser, bekommst noch mehr Durst und verlierst das Bewusstsein, delirierst vor dich hin und dann irgendwann Exitus! Dein Kadaver wird irgendwo landen, wo dich nichts und niemand identifizieren kann – verschollen und verloren für immer, der große, wichtige Kriminalhauptkommissar, der im falschen Moment an der falschen Stelle gegen die Macht aufmuckte.» «Wann? Etwa in der Psycho-Villa, als ich den Theaterphilosophen...» «Yubby dibby dibby dibby dibby dibby dum!»
Es war, als wäre Lara nie ohnmächtig in sich zusammengesunken. Intuitiv entfernte Betti sich und ihre Tochter schleunigst vom Gartenhaus. Was sich hier auch abspielte; das durfte Lara nicht in Gefahr bringen. Vielleicht war es auch keine so schlechte Idee von Lara, so schnell wie möglich wieder nach Hause zu wollen, raus aus dieser Villa, raus aus dieser Geschichte. Es gab eine normale, wohl geordnete Welt, in der man arbeiten gehen, Geld verdienen, seine Miete zahlen und Einkäufe tätigen konnte, krankenversichert war und zum Arzt ging und ganz normale Diagnosen erhielt. In dieser Welt war sogar Liebe zu finden. Vielleicht sollte das der Sinn des Aufenthaltes in der Psycho-Villa sein, dass man erkannte, wie schön die sonst eher verachtete und verhasste alltägliche Welt sein konnte. «Mama? Was hast du denn? Warum hast du es plötzlich so eilig? Du wolltest doch spazieren gehen. Und nun hetzt du, als müsstest du auf den Zug.» «Tut dir dein Hals nicht mehr weh?» fragte Betti, halb erstaunt über die Gelassenheit ihrer Tochter und halb still ermahnend, dass sie vielleicht einen Arzt aufsuchen sollten, der sich das noch einmal ansah. «Mein Hals? Nein. Das war nur so ein kurzer komischer Stich. Mir tut nichts weh! Komm, lass uns noch ein Stück auf dem Weg in den Wald gehen!» Betti nickte zustimmend; sie war einfach sehr neugierig auf die Ereignisse, die noch kommen mochten.

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