Ob die beiden Frauen Freunde werden können, steht nicht in den Sternen. Ich habe nachgesehen. SOKRATES Folge 299:

Uri Bülbül
Instinktiv verließ er sich auf Alices Intuition. Sollte sie sich doch um Philomena kümmern, bis er mehr Informationen über sie gesammelt hatte. Er würde sie jedenfalls nicht so schnell in Ruhe lassen. «Sie können diese Angelegenheit auch draußen besprechen», sagte er, während er aufstand und zur Tür ging. Die beiden Frauen saßen noch, da hatte er die Bürotür schon geöffnet. Gemächlich stand Philomena auf. Als sie an ihm vorbeiging, warf sie ihm einen blicklosen Spruch vor die Füße: «Machen Sie es gut!» Philomena drehte sich nicht um, war sich aber sicher, dass Pseudonym und er sich mit stummen Blicken verständigten. «Ich habe Ihnen ein Zimmer im Malak Hotel reserviert. Ist ganz in der Nähe, ein vier Sterne Hotel, nicht luxuriös, aber sehr sauber und ordentlich und mit äußerst freundlichem Personal. Kein Luxushotel aber sehr komfortabel.» «Sie müssen mich nicht begleiten. Ich finde es auch allein», sagte Philomena, aber @Gehirn_Zelle bestand darauf sie zu begleiten. Beim Verlassen der Botschaft sprach Pseudonym mit zwei Sicherheitsbeamten und erzählte ihnen, wohin sie unterwegs sein würden. So schnell gab es also kein Entrinnen vor der Überwachung für Philomena. Aber aus dem Hotel konnte sie freier agieren als im Moment. So korrekt diese @Gehirn_Zelle ihre Aufgabe auch erfüllte, als sie auf der Straße waren, fuhr sofort der Benz vor. «Können wir nicht zu Fuß gehen?» fragte Philomena. «Da müssten wir gute zwanzig Minuten gehen», antwortete Pseudonym sachlich. «Wenn Sie spazieren wollen, können Sie von Ihrem Hotel aus sehr leicht Jardin Nouzhat Hassan erreichen. Ist ein weitläufiger Park mit breiten Wegen, toller Vegetation, gigantischen Palmen, Gummibäumen usw. Auf jeden Fall auch eine echte Sehenswürdigkeit.» Philomena war im Moment nicht nach Sehenswürdigkeiten, als sie in den Mercedes der Botschaft einstieg. Noch immer konnte sie das Gefühl nicht loswerden, gefangen zu sein. Alice war aus der Begegnung in der Botschaft nicht schlau, dafür aber sehr neugierig geworden. «Verstehen Sie mich nicht falsch», fing sie das Gespräch an und wusste, kaum hatten die Worte ihren Mund verlassen, dass dies so ein glücklicher Einstieg nicht sein konnte. «Sie ärgern sich, dass Sie aus dem Flugzeug abgezogen wurden und Sie sehen in mir die ausführende Hand, aber ich bin nun selbst neugierig geworden, weil ich die Vorgänge, die sich abspielen und wovon ich scheinbar ein Teil bin, nicht verstehe.» Philomena sah regungslos aus dem Fenster. Bevor Alice eine Antwort erhielt, stoppte der Wagen schon vor einem weißen Gebäude mit einer gewellten Fassade, die freundlich und offen wirkte. «Wie lange gedenken Sie mich hier festzuhalten?» fragte Philomena, ohne Anstalten zu machen auszusteigen. «Sobald Sie eingecheckt haben, können Sie machen, was Sie wollen. Dann ist mein Auftrag definitiv beendet», gab Alice zurück. Sie konnte niemanden zwingen, eine freundliche Haltung ihr gegenüber einzunehmen. Aber sie musste sich die Unfreundlichkeit auch nicht bieten lassen.

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