Die Aufhebung des Zeit-Raum-Kontinuums führt uns in einer Erzählschleife zurück zu Johannas Unfall: Folge 137: http://ask.fm/Klugdiarrhoe/answer/133772300985 Folge 138: http://ask.fm/Klugdiarrhoe/answer/133920579001 und 140: http://ask.fm/Klugdiarrhoe/answer/134094144953 SOKRATES: Folge 305

Uri Bülbül
Nadia beachtete ihn nicht weiter. Als Johanna die Augen aufschlug, sah sie einen Mann auf sich zukommen. Er schien zu der Gruppe von Menschen zu gehören, die in einiger Entfernung sich an einem Unfallwagen zu schaffen machten. Es waren Rettungskräfte der Feuerwehr da, Polizei und Krankenwagen. Eine Ärztin wartete unruhig, dass die Feuerwehrleute jemanden aus dem Unfallwagen befreiten. Johanna saß unter einem Baum bequem ausgestreckt, um sich einpaar Sekunden zu entspannen. Da musste sie kurz eingenickt sein. Jetzt stand der Mann genau vor ihr, ein freundlicher kräftiger Mann, der sie grüßte: «Hallo.» Sie erwiderte den Gruß: «Hallo.» Er schien in Smalltalklaune zu sein: «Schön hier im Wald, nicht wahr? Wie Goethe es einst beschrieben hat – in diesem einen Gedicht, wie hieß es doch gleich? Da geht es um einen Wanderer, der sich ausruht: „Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.“»
«Was für ein Spinner», dachte Johanna, «man ist sogar in der Waldeinsamkeit nicht gefeit vor solchen Begegnungen!» Aber so einsam war es hier gar nicht. Unweit war da die Menschenansammlung, die sich emsig um Hilfe und Rettung bemühte. «Wo sind wir hier genau?» fragte sie den Mann, der sich vor ihr als Bildungsbürger aufzuspielen versuchte. «Im Märfelder Bruch – so wird diese Gegend genannt.» Er zeigte an ihr vorbei «Und dort hinten gibt es eine einmalige Wendeltreppenkonstruktion, die ins Tal führt. Sie sollten sich das unbedingt ansehen», ergänzte er. «Später vielleicht. Ich bin Polizistin und will mir erst einmal ansehen, was dort hinten genau los ist», erwiderte sie. «Ach nichts. Ich glaube, eine Feuerwehrübung oder so», sagte Hermes. Er schien in Flirtlaune: «Möchten Sie sich mit mir gemeinsam das Tal näher anschauen? Ich würde mich freuen.» Johanna sah den Mann verwundert und streng an. Hatte er irgendetwas nicht gehört? Hatte sie nicht deutlich gesagt, dass sie Polizistin sei? «Nein», sagte sie kühl und streng, «ich muss weiter.» Damit ging sie an ihm vorbei auf die Gruppe am Weg zu. Er murmelte vor sich hin: «Na dann eben nicht. So werde ich meinen Spaziergang ganz alleine fortsetzen müssen.» Johanna war der Mann gleichgültig, sie ging zu den Polizisten und Feuerwehrleuten, drehte sich aber noch einmal nach dem seltsamen Mann um und stellte erstaunt fest, dass er keineswegs alleine war. Neben ihm ging eine Frau mit langen schwarzen Haaren, wegen der Johanna eigentlich angehalten hatte, weil sie sie etwas fragen wollte. Aber Johanna wusste nicht mehr genau, was es war. Inzwischen richtete sich die Ärztin auf, die Sanitäter wickelten die Patientin in eine Alufolie und hievten sie mit der Trage in den Krankenwagen. Die Ärztin selbst wirkte etwas erschöpft; ein Sanitäter stützte sie am Arm, als sie ebenfalls in den Krankenwagen einstieg. Johanna fuhr mit den uniformierten Polizisten im Streifenwagen, um ihren Weg in die Psycho-Villa fortzusetzen.

View more