«Verlaufe dich in einem Irrgarten, in dem hinter jeder Ecke statt Irren Erkenntnis auf dich lauert», schreibt @Drehpimmel3000 https://ask.fm/Drehpimmel3000/answers/141026386741 und ich schicke vorsichtshalber nach einem Telefonat mit Alice Filomena in den Park. SOKRATES Folge 315:

Uri Bülbül
Alice überlegte kurz, ob sie Philomena auf die Probe stellen sollte, aber sie verwarf den Gedanken, da er ihr nicht kollegial erschien. Also fragte sie nicht, wo Philomena sich befand, sondern sagte: «Bist du jetzt unterwegs zum Busbahnhof? Wolltest du nach Casablanca zurück und von dort am Abend nach Deutschland zurück fliegen?» Sie stand also unter ständiger Kontrolle, Observation, auch dann, wenn sie sich gerademal ein paar Minuten frei fühlte. «Ihr observiert mich?» fragte sie, wobei ihre Stimme nicht so empört klang, wie es sein sollte, sondern eher etwas müde, matt und enttäuscht. «Wäre es dir lieber, wenn wir nicht wüssten, wo unsere Leute stecken?» konterte Alice mit einer Gegenfrage. „Unsere Leute“ - das klang nicht nach Gegnerschaft oder gar Feindschaft, es klang nach Fürsorge in einem Team. Niemandem sonst hätte Philomena das abgenommen, aber bei Alice @Gehirn_Zelle klang das glaubwürdig. «Graf Otto will dich im Jardin Nouzhat Hassan treffen.» «Wo?» «Das ist der Park auf der rechten Seite von dir. Du gehst doch gerade die Al Mansour entlang, stimmt's?» Sie war also über ihr Handy geortet worden. Es beruhigte Philomena nicht, dass Alice sich als Teamkollegin verstand. Sie schwieg einfach. Alice aber konnte das nicht aus der Ruhe bringen. Sie war nicht kein kleines ausführendes Zahnrädchen in einem undurchschaubaren Getriebe, sie hatte sich eigene Gedanken gemacht und hatte vielleicht ein Wespennest entdeckt. Sie musste nicht nur ihre Kollegin davor warnen, darin herumzustochern, sie mussten gemeinsam auch dieses Nest ausheben. Vielleicht war es auch eine etwas zu große Nummer für sie, aber man konnte sich manchmal die Größe der Aufgaben und ihre Schwierigkeitsgrade nicht aussuchen. Außerdem erschien Alice nun die mißtrauische Zurückhaltung, die Philomena an den Tag legte, mehr als verständlich. «Graf Otto wartet unter dem Gummibaum auf dich», instruierte sie Philomena, die keine Fragen stellte. Es sprach nichts dagegen, sich mit Graf Otto zu treffen. Außerdem schien sie sich in der Entfernung des Busbahnhofs verschätzt zu haben; sie konnte nach dem Treffen mit dem Taxi fahren. Wenn Alice ihr keine Falle gestellt hatte, war gegen ein Treffen im Park mit Graf Otto wirklich nichts einzuwenden. Sie hatte gerade den Südeingang des Parks passiert, also drehte sie um und betrat den Park. Von dem Gummibaum hatte sie schon etwas gehört. Er musste eine monumentale Größe haben und zählte zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt; er war also alles andere als eine übersehbare Topfpflanze. Philomena sah sich vorsichtig und aufmerksam um, ob sich verdächtige, bedrohliche Gestalten in ihrer Nähe aufhielten. In einiger Entfernung saß ein Mann in traditioneller Bekleidung auf einer grünen Parkbank und spielte gedankenverloren mit seiner Gebetsschnur. Etwas Beunruhigendes war nicht zu erkennen. So ging Philomena am Hauptweg entlang, während sie nach dem markanten Gummibaum Ausschau hielt.

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Filomena@HamburgMittendrin
Vanity@Gehirn_Zelle