Es gibt Phasen zwischen den Dimensionen, wo Phänomene flackern und ihre Luftspiegelungen in eine Dimension werfen wie eine Fata Morgana. Hamlet weiß, dass dies jenseits der Schulweisheit liegt, aber nicht jenseits des SOKRATES Folge 317:

Uri Bülbül
Johanna suchte die beiden Streifenpolizisten, mit deren Wagen sie wieder zurück zu ihrem Auto gefahren werden wollte. Es war für sie selbstverständlich, dass sie mitten im Wald auf halber Strecke zum Sanatorium geparkt hatte, dann ein paar Schritte durch den Wald gegangen und dem einen gut aussehenden großen, kräftigen Mann begegnet war, der ihr die Aussichtsplattform in das Feental empfahl. Nein, so ganz selbstverständlich war es mit dem Mann nicht. Immerhin musste sie jetzt, wo sie am Ausgang des Sanatoriums stand wieder an ihn denken. Und zugegebener Maßen geschah das nicht ohne eine kleine Aufregung in ihr. Zuletzt hatte sie etwas ähnliches gespürt, als sie dem Theaterphilosophen die Hand gegeben und in die Augen gesehen hatte. «Was ist nur los mit mir?» fragte sie sich; sie fühlte sich so seltsam beschwingt wie im Traum oder in Trance. Sie ging über den Kieselplatz vor der Villa wieder auf den kleinen Waldweg zu. «Wenn heute Herr Doktor Zodiac keine Zeit hat, dann werde ich ein andermal mit ihm sprechen müssen. Ich finde diese neuen Empfindungen in mir sehr angenehm und aufregend. Das hat mit Uri Nachtigall angefangen. Er war der Auslöser dafür, aber nun muss ich auch noch an diese neue Begegnung im Wald denken. Wie hieß der Mann gleich?» Er hatte sich ihr nicht vorgestellt. Und die beiden Streifenbeamten waren auch nicht mehr zu sehen. So schlenderte sie langsam um die Villa herum, sah sich kurz auf dem Parkplatz hinter der Villa um und überlegte, ob sie in den Garten gehen sollte. Dabei drehte sie sich um und betrachtete die Fenster der Villa, die alte Fassade, den kleinen Turm, der dem Gebäude ein sehr romantisches Aussehen verlieh und an einem der Fenster erblickte sie den Theaterphilosophen, dem sie freudig zu winkte, der aber keine Notiz von ihr nahm. «Komisch», dachte sie, «er ist so in Gedanken, dass er mich nicht sieht! Aber irgendwie macht ihn das sympathisch. Vielleicht besuche ich ihn gleich auf seinem Zimmer. Aber erst einmal gehe ich noch ein paar Schritte durch den Garten.» Schon etwa nach hundert Schritten entdeckte sie in einiger Entfernung das Gartenhäuschen. Sie zögerte nicht, darauf zuzusteuern, war aber überrascht davon, dass sie für Gartenromantik, die Formen von Hecken und Sträuchern, für die Farben der Blumen, für den Wuchs von Bäumen so empfänglich war. Eigentlich kannte sie so etwas nicht an sich, was dennoch kein unangenehmes oder beunruhigendes Gefühl war, sondern ganz im Gegenteil sich sehr angenehm und wohlig anfühlte. Nun stand sie direkt vor dem Gartenhaus und noch ehe sie es bewundern konnte, geriet sie in Aufregung. Eine Frau schrie aus dem Inneren des Hauses um Hilfe. Reflexartig griff sie nach ihrer Dienstwaffe: «Hier ist die Polizei. Was ist los?» «Hilfe! Hilfe! Holen Sie mich hier raus! Er hat mich eingesperrt und kommt immer um mich zu vergewaltigen!» Johanna trat an die Tür, die sich problemlos öffnen ließ. Sie war nicht abgeschlossen. Was sie vorfand, war nur ein wenig befremdlich.

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