Meine Gartennachbarin Ilona vermeldete vor einigen Tagen, dass sie die beiden Bände SOKRATES zu Ende gelesen habe, von ihr aus könne nun das 3. Buch kommen; aber wehe, es passiere Basti @Maulwurfkuchen etwas; dann würde sie 3 Wochen... nein, 3 Monate kein Wort mehr mit mir reden! Folge 323...

Uri Bülbül
«Hoffentlich passiert ihm nichts», dachte Viktor an der Tür seiner schiefen Hütte stehend und etwas unsicher winkend. Gerade eben war Basti in der Finsternis des Waldes verschwunden. Sie hatten zu lange miteinander geredet – eigentlich hatte Viktor geredet und nun hatte er die Sorge, dass er zu viel und zu lange geredet haben könnte. Die Sonne war längst untergegangen und es war im Wald plötzlich stockfinster geworden. «Willst du nicht lieber die Nacht hier verbringen? Du kannst doch morgen gehen, wenn es wieder hell ist und du dich besser zurechtfinden kannst.» Aber nein, Basti bestand darauf, sich sofort auf den Weg zu machen. Er vermutete, dass sein Schlitzrüssler Rudi wieder zurück zum Bassin gelaufen war, und er wollte ihn unbedingt in die Villa mitnehmen. «Lara wird sich freuen», sagte er, «und Schwester Maja sicher auch. Ich will ihn suchen, bevor er mich vergisst!» «Hat das nicht Zeit bis morgenfrüh?» fragte Viktor. «So schnell wird er dich doch nicht vergessen, wenn er wirklich dein Freund ist.» «Er kann ja nichts dafür, dass er so schnell vergisst. Das hat nichts mit „wirklich mein Freund“ zu tun. Es ist seine Art; er kann sich halt nichts lange merken. Aber er erinnert sich wieder, wenn wir uns sehen.» «Apropos sehen», sagte Viktor, «du kannst doch in dieser Finsternis nichts sehen. Wie willst du den Weg zum Bassin wiederfinden?» Darüber schien sich Basti aber überhaupt keine Sorgen zu machen: «Ach, die Glühwürmchen werden mir den Weg schon zeigen. Schau doch mal, wie hell sie leuchten.» Mit diesen Worten rannte Basti einfach los in den Wald und verschwand in der Finsternis. Viktor sah keine Glühwürmchen. «Er wird gleich über einen Ast stolpern und hinfallen», dachte er und lauschte gespannt in die Dunkelheit, als müsste Basti gleich vor Schmerz aufschreien, wenn er fiel. Aber es blieb still. «Ich glaube, ich habe Basti mit meinem Gerede furchtbar gelangweilt», sagte sich Viktor und machte sich selbst ein bißchen Vorwürfe. «Da rennt er einfach lieber in die Dunkelheit, weil er sich nichts mehr über die Entwicklung der menschlichen Wissenschaftskultur und Paradigmenwechsel anhören will. Ich habe ihn mit meinen langweiligen Überlegungen und langen Vorträgen vergrault. Wenn ihm in dieser Dunkelheit etwas zustößt, wenn er gegen einen Baum rennt oder in ein Loch fällt oder stolpert und sich etwas bricht und er hilflos den wilden Tieren ausgeliefert ist, werde ich mir ewig Vorwürfe machen! Ich sollte ihn suchen und zurückholen», sinnierte Viktor. Er ging zurück in die Hütte, um eine Taschenlampe zu suchen. Aber er fand nur eine alte Laterne, die mit Petroleum brannte. Sie war aber leer. «Ich muss doch irgendwo im Labor Petroleum haben», brummte er, als er die Treppen in den Keller hinunterstieg. Im Labor aber wurde seine Aufmerksamkeit wieder von einem leeren Erlenmeierkolben gefesselt: «Interessant! Äußerst Interessant!» rief er laut. In der Einsamkeit seines langen Lebens hatte er sich daran gewöhnt, sich mit sich selbst zu unterhalten.

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