Okay, ich bin verliebt, ich gebe es zu. Ich bin bei der Veröffentlichung der SOKRATES-Folgen durcheinander gekommen; wird man ja mal wohl dürfen, wenn man verliebt ist, oder? Ich habe die Folge 325 vor 324 veröffentlich, und keiner hat es gemerkt! SOKRATES Folge 324:

Uri Bülbül
«Wir suchen doch im Grunde alle dasselbe! Das ist der Antrieb der Wissenschaft, ob Phlogiston-Theorie, Alchimie oder Quantenphysik – alle Wissenschaft versucht zu finden, was die Welt im Innersten zusammenhält, dieses wunderbare Band, was in uns Leben einhaucht; der göttliche Odem, der aus einem klumpen Erde Adam, den ersten Menschen macht oder aus seiner Rippe wohl geformt Eva oder die mißratene Lilith, die in der Weltenesche Yggdrasil einst wohnte, bis ihr Stamm zerplatzte. Darf ich dazu einen Verdacht äußern, Viktor?», fragte er sich selbst und antwortete: «Jawohl, ich bitte Sie darum, Doktor Frankenstein. Also, mein lieber Viktor, dann sage ich es geradeheraus, lassen Sie uns voreinander keine Geheimnisse haben: die wunderbare Weltenesche, an der der Kosmos wie ein Apfel heranwächst, alle Gestirne wie ihre Früchte aus ihren Knospen und Blüten entstehen, diese Weltenesche wurde von Lilith selbst gesprengt. Viktor, ich sage dir, sie tat es wie ein Küken, das die Eierschale von innen heraus aufpickt, weil es ihm darin zu eng wird und es diese Enge nicht aushält. Es muss raus aus dem Ei und so musste Lilith und ich betone: sie MUSSTE aus Yggdrasil heraus. Der Weltenbaum war wie von Donner gerührt und von Blitz getroffen – nur dass der Blitz aus ihm heraus kam! Kawumm! Oh nein! Oh nein! Schepper, klirr! Wie konnte das geschehen?» Er hatte sich in der Darlegung seiner Hypothese so sehr ereifert, dass er, um die Explosion aus der Weltenesche zu verdeutlichen, wild mit seinen Armen herumfuchtelte und sie weit ausbreitete, wobei er einen Stapel Petrischalen umstieß, die zu Bruch gingen. Viktor führte unberührt seinen Dialog mit sich selbst fort: «Ach, sehen Sie nur, Herr Doktor, was sie angestellt haben im Übereifer! Wie unachtsam von Ihnen!» Doktor Frankenstein kicherte wild: «Ach, Viktor! Wie oft habe ich es dir gesagt? Scherben bringen Glück! Und wenn sie mir kein Glück bringen, weil ich es einfach nicht nötig habe, bringen sie dir Glück oder meinem Freund Basti, der da draußen irgendwo im Wald in der Finsternis umherirrt. Ich muss eine Laterne draußen in den Ast eines Baumes hängen, damit er das Licht sieht und wenigstens zurück zu meiner bescheidenen Hütte zurück findet. Meine Laterne könnte ihm Orientierung geben! Die braucht er doch dort draußen in der nächtlichen Wildnis! Wer weiß, was ihm zustößt, unserem armen, armen Basti @Maulwurfkuchen! Aber sag mir, mein lieber Viktor: wie kann es sein, dass ich kein Petroleum mehr habe. Nirgendwo ein Tropfen Petroleum für Bastis Lampe! Aber du hast natürlich recht: wer versteht schon die Seele einer Frau, die dem Wind gleicht, den der namenlose Adler mit den Schwingen erzeugt! Was für eine Spannweite! Das ist schon imposant. Es ist deutlich mehr als nur der Flügelschlag eines Schmetterlings, der einen Orkan auszulösen vermag, wenn ihm das Chaos wohlgewogen ist.» Er kramte aus dem Schrank unter der Spüle zwischen Putzlappen, Eimern, Reinigungsmitteln eine Schaufel und einen Handbesen hervor.

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