Gibt es überhaupt noch eine klitzekleine Chance auf Rettung für den Brutalokommissar Alfred Ross? Wird ihn je jemand vermissen? Und Basti? Warum vermisst ihn eigentlich niemand in der Psycho-Villa? SOKRATES Folge 328:

Uri Bülbül
Der Mond ging gerade auf, als Basti am Bassin ankam, und tauchte das Wasser des Sees, das sich bei leichtem Wind kräuselte, in ein silbernes Licht. «Schade, dass Lara jetzt nicht da ist, sie fehlt mir ein bißchen», ging es ihm durch den Kopf. Er hörte den Ruf einer Eule; am Efeu bewachsenen Ufer plätscherte das Wasser. Basti wollte erst laut nach Rudi rufen, aber dann schwieg er doch lieber, weil ihm die Geräusche des nächtlichen Waldes so schön vorkamen, dass er nicht stören wollte. Wenn seine Hispaniola irgendwo in der Nähe war und zu Basti zurückkehren wollte, dann würde sie sich schon zeigen. Er ging am Ufer entang ohne eine bestimmte Absicht. «Wenn Rudi nicht wieder auftaucht, will er vielleicht gar nicht mit mir in die Villa, dann werde ich ihn eben nicht Schwester Lapidaria vorstellen und wir werden nicht gemeinsam im Garten spazierengehen. Dann baue ich eben aus Lego mein Kamel, wie ich es schon immer wollte und das Kamel wird mein Freund und Begleiter und Rudi kann dort leben, wo es ihm am besten gefällt. Und das gelbe Kamel lebt bei mir. Wo steckt eigentlich Luisa? Hoffentlich kann ich mich auf sie verlassen und sie bringt mir die gelben Legosteine. Ich war mir so sicher, dass sie mich nicht vergisst. So einen Auftrag von einem sprehenden Delphin erhalten, vergisst man doch nicht, obwohl viele Menschen ihre Träume im Laufe des Tages vergessen. Manche führen aber auch ein Traumtagebuch. Luisa bestimmt nicht» spekulierte Basti. «Und Johanna auch nicht! Sie hat jetzt eine Menge Probleme, da wird sie kaum an ein Traumtagebuch denken. Eigentlich müsste ich Johanna auch mal wieder besuchen und natürlich auch Luisa. Ich sollte noch einmal mit beiden reden, dann werde ich auch erfahren, was aus meinen Legosteinen geworden ist. Schließlich wollte ich mein Bananenauto und das Kamel gleichzeitig fertig haben! Aber naja, vielleicht treffe ich auch Rudi gleich.»
Während Basti in der monderleuchteten Nacht am Bassin im Hattinger Wald spazierte und auf jedes Rascheln im Gebüsch, in den hohen Gräsern und zwischen den Farnen achtete, da Rudi überall hervorkommen konnte, sah Luisa verträumt aus dem Fenster des Flugzeuges, das in den Sinkflug übergegangen war und Libreville ansteuerte. «Wir werden uns einen Tag in Gabuns Hauptstadt Libreville aufhalten, dann fliegen wir weiter auf die Malediven», erklärte Adonis. Es war für Luisa alles wie im Traum. Sie hätte gerne gwusst, wie es ihrer Schwester ging, unweigerlich bekam sie feuchte Augen und Tränen kullerten über ihre Wangen. Adonis hörte sie schniefen, ging zu ihr, um ihr sanft seine Hand auf die Schulter zu legen, sie neigte ihren Kopf und berührte zart mit der Wange seine Hand. Sie war sehr froh, dass er bei ihr war. Es gab ihr das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Er war ein starker und mächtiger Mann. Luisa trauerte in diesem Moment nicht nur um ihre Schwester, sie konnte es auch nicht fassen, dass ihr Vater tot sein sollte. Die Legosteine hatte sie tatsächlich schon völlig vergessen.

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