«Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt, dem will er seine Wunder weisen in Berg und Wald und Strom und Feld. Die Trägen, die zu hause liegen, erquicket nicht das Morgenrot, sie wissen nur von Kinderwiegen, von Sorgen, Last und Not ums Brot.» SOKRATES Folge:

Uri Bülbül
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Der dicke Mann mit dem runden Gesicht und spärlichen Haaren auf dem Kopf trat vorsichtig ein; @Graf_Otto signalisierte ihm allein durch seinen Gesichtsausdruck, dass er keine überflüssigen Fragen wünschte. Der Öffentlichkeitsreferent aber von Neugier getrieben hatte die Schläue eines lahmen Logikers: „überflüssig“ musste für ihn erst definiert werden, aber die Definition, die @Graf_Otto hatte, war schlicht und ergreifend: Jede Frage, die du stellst, ist überflüssig, Bürschchen! Aber nun war er einmal da, der Herr Referent, was sollte er tun, wortlos umdrehen und wieder gehen, als habe er sich in der Tür geirrt? «Die marokkanischen Kollegen sind außer sich», sagte er ziellos in den Raum. «Die sollen sich bloß mal nicht so anstellen, diese schwächelnden Machos! Die königliche Leibgarde! Pah, dass ich nicht lache! Unsere Alice @Gehirn_Zelle hat zwei von ihnen Platt gemacht! Nun ist das Heulen des Muezzins groß! Wenn noch etwas kommt, machen Sie den Klagegeistern einfach klar, wir haben eine gute Frau des Landes verwiesen. Sie können sich die Minarette mit den Klagegesängen knicken wie einen alten morschen Bleistift!» «Das ist nicht der richtige Ton gegenüber unserem Gastgeberland», warf der Referent ein. Da sauste die Faust des Attachés augenblicklich auf den Tisch. «Hatten die beiden Spitzel den richtigen Ton auf Band, als sie mich abhörten? Mit welchem Recht? Wer hatte sie beauftragt? Geschah das etwa zur Sicherheit ihres Königs?» «Herr Botschafter...» «Die Unterredung ist beendet. Der Herr Botschafter kann mich mal...» @Graf_Otto war in Fahrt, aber keineswegs unbesonnen, er pausierte kurz: «anrufen, wenn er mit mir etwas zu besprechen hat! Das geht nicht über Sie!» Der dicke Mann zog sich ratlos zurück, er hatte einpaar Verwünschungen parat, aber er fürchtete sich, diese gen Himmel auszustoßen, womöglich wurden sie von Engeln abgefangen, die den Attaché zu beschützen schienen. Alice und Philomena aber saßen schon im Mercedes der Botschaft. «Ich freue mich auf unsere Mission», sagte Alice. «Auf nach Casablanca», jubelte Philomena, «wir werden schon herausbekommen, was es herauszubekommen gibt. Aber erst genehmigen wir uns einen schönen Abend in Rick's Café.» «Ich weiß, man muss den Film gesehen haben, aber ganz ehrlich, bisher habe ich mich dazu nicht aufraffen können», gestand Alice. «Auf den ersten Blick ist es eine Liebesschnulze mit der nötigen Prise Melodramatik und natürlich auch Romantik; auf den zweiten Blick ein amerikanischer Propagandafilm gegen das Nazideutschland, Rick ein typischer Amerikaner schwankend zwischen „was kostet die Welt?“ und „mir ist alles egal“, aber er erobert die Herzen der Frauen...» «Oh!» rief Alice aus, von einem „was kostet die Welt? Mir ist alles egal“ Typen würde sie sich nicht erobern lassen, Philomena lachte: «Ist nur im Film. In Wirklichkeit muss Humphrey Bogart auf eine Kiste steigen, um seiner Geliebten machohaft die Wange streicheln zu können: „Schau mir in die Augen, Kleines!“ ha, ha!»

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