Nach einer vierzehntägigen SOKRATES-Pause kommt nun die Folge 334 nach der Folge 333, die mit und von Philomena @HamburgMittendrin war: https://ask.fm/Klugdiarrhoe/answers/144690515385 Jetzt. Die Männer in ihren Finsteren Zellen:

Uri Bülbül
Plötzlich leuchtete es in seinem Kopf wie in Neonfarben: Der Tod ist keine Lösung. Aber dennoch blieben seine Augen in der Finsternis. Und die Dunkelheit stellte ihm nun eine andere Frage: «was genau ist passiert?» war schon fast passé. Jetzt lautete die Frage: «Wie komme ich hier raus?» Er spürte Druck in den Ohren. Nun war Kommissar Alfred Ross soweit klar bei Verstand, dass er für sich deutlich feststellen konnte, sich in einem Flugzeug zu befinden. Er wollte eigentlich diesen seltsamen Vogel Uri Nachtigall verhören. Mit ihm stimmte etwas definitv nicht, zumal ja auch die Taxifahrerin spurlos verschwunden war, die ihn in der Nacht vom Krankenhaus zurück in die Villa gefahren hatte. Und warum bitte schön in die Villa? Und Warum nicht zu Nachtigall nach Hause? Da hatte Ross den Schlwawiner etwas zu hart angefasst und konnte sich von da ab an nichts erinnern. Er kam ohne Zeit- und Raumgefühl in der Finsternis, in der er sich befand, „zu sich“, wenn man das überhaupt so nennen wollte. Erst jetzt gewann er Klarheit über sich, über seine Gedanken, sein Bewusstsein. Und seine Gefühle spielten nicht mehr verrückt. Jetzt war Alfred Ross endlich bei sich, auch wenn er sich auf seine Situation noch immer keinen Reim machen konnte.
«Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich weissagen könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, also dass ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts.»* Und als Nichts stand Uri Nachtigall am Fenster seines Zimmers in der Psycho-Villa und sah versonnen auf den Garten und auf den Hof und realisierte in seinen Gedanken halb verloren an Betti @liebeanalle und Lara @derherbstinmir nicht, dass er eigentlich ein Turmzimmer im hinteren Teil der Villa erhalten hatte. Es ist ein Rätsel, wie manche Dinge einem einfach entgehen können. Die beiden Frauen, Mutter und Tochter, Lara mit einem kleinen Tierchen im Arm gingen wie ein Bild durch den Theaterphilosophen hindurch wie in Rilkes gefangenem Panther durch der Lider angespannte Stille und hörten im Herzen auf zu sein. Er dachte an Johanna, an ihre Augen, an die Sommersprossen auf ihrer Nase, an ihre Haare. Er begriff nicht, dass sie den Auftrag hatte, gegen ihn zu ermitteln. Und er begriff ganz und gar nicht, warum überhaupt gegen ihn ermittelt wurde. Was hatte der Kommissar von ihm gewollt mitten in der Nacht in aller Herrgottsfrühe? Warum war er in sein Zimmer gestürmt, hatte ihn aus dem Schlaf gerissen und geschlagen, bis die Schwester kam? «Nichts ist mir so wirklich erklärlich», dachte er. Er stand vor einem Scherbenhaufen an Fragmenten und Bildern, die sich nicht zusammensetzen ließen. Schon im Cascando-Theater hatte alles angefangen, auch wenn er das nicht wahrhaben wollte. Es war die Liebe, die ihnen abhanden gekommen war in der Arbeit. Sie wussten es nur noch nicht.

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