Unlängst erhielt ich die Frage, ob ich denn von dieser Welt sei. Nein, ich glaube nicht; denn warum sonst würden mich Geschichten interessieren wie diese: SOKRATES Folge 339:

Uri Bülbül
«Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.»
Uri Nachtigall hing immer noch an der ersten Strophe des Hohenliedes, noch immer bei der klingenden Schelle und dem tönend Erz. Ohne Liebe ist alles Nichts und er ein Niemand. Er aber hatte die Liebe nicht gefunden. Bei keiner Frau und in sich selbst erst recht nicht. Die größte ist auch die Abwesende, dachte er traurig. Es wäre für ihn besser, sich nicht so sehr abzukapseln. Vielleicht sollte er wieder nach Hause fahren, in sein Theater gehen und zu seinem Leben zurückfinden, was er nicht „sein gewohntes Leben“ nennen wollte. Denn es war nicht gewohnt. Er hatte schon fast den Grund vergessen, warum er überhaupt in die Villa gekommen war. Ja, Ayleen hatte es ihm empfohlen, sich mit dem @DoctorParranoia in Verbindung zu setzen. Aber diese Verbindung war gescheitert und er hatte ihn nicht angetroffen. Dafür andere Menschen, Wesen, Charaktere. Wie nur sollte man das bezeichnen? Und dann diese beiden Bücher, die ihm keine Ruhe ließen. „Der sprechende Delphin“ und „Die Paradiesologie“. Beide Bücher sollte er geschrieben haben, auf dem Klappentext sein Bild, seine Biographe in Kürze, aber er war nicht der Autor. War ein Betrüger mit seiner Identität unterwegs? Und war das womöglich auch der Grund, warum er verhaftet worden war? «Ja, das habe ich schon geahnt. Das ist doch kein ganz neuer Gedanke!» sagte er laut in den Raum und erschrak, in der Stille seine Stimme zu hören. Schnell verstummte er wieder und dachte leise bei sich: «Die halten mich doch für verrückt, wenn ich Selbstgespräche führe!»
Die Seeräuber auf der „Bunten Kuh“ lachten und grölten, erfreuten sich an Bastis Luftsprüngen und Pirouetten, an seinem wilden Delphingekicher und an seinen Schreien, die er lustig ausstieß. «Ja, das ist ein feiner Begleiter zur See, wie man es sich nur wünschen kann!» riefen sie. Der Kapitän stellte sich neben seinem ersten Maat, nahm seinen Kopf vom Hals und befahl: «Halt mal diese Rübe, die mir zu früh abgenommen wurde! Am liebsten hätte ich euch alle gerettet aber statt dessen sind wir nun hier gelandet, wo dieses Hier auch sein mag! Niemand weiß es und wir irren herum.» Der Maat nahm vorsichtig den Kopf des Kapitäns, etwas unbeholfen war er damit. Er verstand auch nicht so recht, warum er den Kopf halten sollte. Aber mit einem „Eye, Eye, Käptn“ nahm er den Kopf. Er hielt ihn so, dass der Kopf noch etwas sehen konnte von dem Spektakel, den die Mannschaft belustigt durch Basti veranstaltete. «Meine untoten Freunde! Ihr lebt im Land der Geschichten und Legenden und ihr seid unsterblich! Das möchte ich mit euch feiern!» rief Basti, der sprechende Delphin. Und der Käptn winkte ihm wild zu, weil der Maat den Kopf vorsichtig und aufmerksam in die richtige Richtung hielt. «Wir sind also unterblich geworden», murmelte der Maat bei sich, der auch gerne verstanden hätte, was passiert war, seit sie von den sogenannten „Friedeschiffen“ aufgebracht worden waren.

View more