Bettis und Laras Abreise aus der Villa verzögert sich einwenig und die Hinterlassenschaft der beiden wirft Fragen auf. SOKRATES der kafkASKe Fortsetzungsroman Folge 342:

Uri Bülbül
Er ließ die Dinge auf sich zukommen, was passieren sollte, würde passieren. Außerdem mochte er Betti @liebeanalle gern leiden. Warum sollte er ihr nicht behilflich sein und abnehmen, was sie gerne abgenommen haben und loswerden wollte. Aber Norbert war auch sensibel genug, um zu merken, dass sie eigentlich noch mehr loswerden wollte als diesen Welpen, der es in sich hatte und in Zukunft noch viel mehr in sich haben würde, wenn er heranwuchs. Bevor er sich aber weiter um den Welpen kümmerte, galt seine Aufmerksamkeit erst einmal Betti. Was den Welpen betraf sollte die Entscheidung eigentlich klar sein: das Mistviech musste einfach erschlagen werden und fertig! Freundlich lächelnd sah Norbert in Bettis Gesicht, als wollte er sie auffordern, loszuwerden, was sie noch auf dem Herzen hatte. Und Betti sprach: «Weißt du Norbert, ich wollte mich jetzt auch von dir verabschieden. Lara und ich brechen wieder auf und fahren nach Hause. Wir reisen heute noch ab. Lara packt schon ihre Sachen.» Der Gärtner nickte verständnisvoll, fragte aber: «Ja, warum so plötzlich? Ich dachte, ihr bleibt noch eine Weile.» «Lara sollte wieder nach Hause, finde ich. Sie sollte wieder in ihre gewohnte Umgebung und von dort aus für sich neue Dinge in der Welt erkunden, vielleicht ein Studium beginnen. Sie interessiert sich doch so sehr für das Schreiben. Vielleicht wird sie mal Schriftstellerin oder aber auch Fotografin.» «Was ja fast dasselbe ist!» grinste der lange Mann. «Vielleicht macht sie auch etwas ganz anderes. Wer weiß das schon so genau? Junge Menschen brauchen ihre Zeit, bis sie ihren Weg finden. Das ist alles nicht mehr so stur vorgezeichnet wie früher. Alles in der heutigen Welt ist fließend.» «Denkt man», brummte Norbert. «Aber kein Fluss fließt nach oben auf den Berg!» Betti war hellhörig geworden: «Wie meinst du das?» fragte sie. Aber Norbert gab darauf keine Antwort: «Ich werde mal dieses Welpchen hier versorgen und später dem Förster Friedhelm übergeben. Ich wünsche Lara und Dir eine gute Heimreise und lasst es euch gut gehen. Vielleicht sieht man sich ja mal wieder.» Betti hätte ihn noch gerne in den Arm genommen, aber da war nicht nur der Wolfwelpen dazwischen. «Mach es auch gut Norbert!» sagte sie nicht ungerührt und kehrte zurück in die Villa, während der Gärtner sich mit Welpen und Spaten singend Richtung Geräteschuppen auf den Weg machte:
«Doch Alter mit dem schleichenden Tritt
Hat mich gepackt mit der Faust
Und hat mich weg aus dem Lande geschifft,
Als hätt ich da nimmer gehaust.»
Als Betti wieder in ihr Zimmer kam, erschrak sie für einen Moment sehr; denn sie wurde mit einer Szene konfrontiert, womit sie so nicht gerechnet hatte. Die Taschen war nur halb gepackt und vieles lag noch wild zerstreut im Zimmer. Die Kosmetiksachen aus dem Bad auf ihrem Bett neben Kleidungsstücken und Büchern, die Lara mitgenommen hatte und ihrem Fotoapparat, der ebenfalls auf dem Bett neben der Fototasche lag und nicht eingepackt war. Und Lara lag schlafend im Bett.

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