Casablanca: Rick's Café - eine Reise in die Vergangenheit in einem melodramatischen Spielfilm um Politik, Hoffnungen und Liebe, wohin sich Philomena und Alice @Gehirn_Zelle begeben. SOKRATES Folge 346:

Uri Bülbül
Der gepanzerte Mercedes der deutschen Botschaft in Rabat erreichte Casablanca; fast blind und ohne Navigation steuerte der Fahrer schweigend Rick's Café an. Auch die beiden Frauen im Fond waren schweigsam und hingen ihren Gedanken nach. @Gehirn_Zelle hatte keinen konkreten Ansatzpunkt, der ihr eine logische Erklärung dafür ermöglichte, warum Philomena ausgerechnet in Rick's Café ihre Recherchen vor dem Flug nach Gabun führen wollte. Es gab auch keinen Anhaltspunkt, der den beiden Frauen versprach, dass sie hier die suspendierten Piloten der Maschine treffen konnten, in der Marcellus Adonis Narrat mit der jungen Luisa Metzger davon geflogen war. Philomena plagten derlei Zweifel nicht. Sie folgte einer Intuition, sie hörte auf ihr Herz, war auch nicht zum geringen Teil von kindlicher Neugier getrieben. Eine Neugier, die Alice nicht fremd sein sollte dem Anspruch nach. Aber sie stand etwas neben sich, wenn sie eine solche Neugier entwickelte und sah sich zugleich über sich selbst schmunzeln. Und sie war sich nicht einmal so sicher, ob sie sich über diese Altersweisheit freuen oder ärgern sollte. Eine gewisse Arroganz konnte man diesem Grinsen nicht absprechen. Sie stiegen aus, verabschiedeten sich vom Fahrer und versicherten ihm, dass sie von hier aus ihren Auftrag ganz gut alleine erfüllen konnten. Es war eindeutig für ihn, dass die Frauen ihn in Rick's Café nicht dabei haben wollten. Aber wahrlich solch einen großen Wert legte er darauf nun selbst nicht. Er war ja nicht nur Fahrer, sondern auch für einige andere diverse Aufgaben verantwortlich. Aber in diesem Fall sah er keinen Handlungsbedarf und war auch nicht sonst beauftragt worden, etwas zu unternehmen. Seine Aufgabe endete damit, dass er Alice und Philomena vor Rick's Café absetzte. Ein Umschlagsplatz der Hoffnung und die Möglichkeit vielleicht in die Neue Welt aufzubrechen, das alte Europa der 40er Jahre hinter sich zu lassen, die Gewalt, die Unterdrückung, die Deportationen von Menschen, die staatlich organisierten Verbrechen, den Krieg. Europa hatte aus dem ersten Weltkrieg nichts gelernt und man durfte allen Ernstes daran zweifeln, ob es aus dem zweiten mehr lernen würde. In Marokkos Casablanca aber, einem französischen Protektorat schien diese politische wie gewalttätige Welt etwas in die Ferne gerückt. Selbst für den amerikaner Richard Blaine schien in seinem Café, das er nach seinem Vornamen „Rick's Café“ genannt hatte, schien in diesem Kleinod eine Ruhestätte entstanden zu sein. Ein charmanter Mann, elegant und weltgewandt, wie man sich Männer damals zurecht idealisierte. Philomena und Alice hatten sicherlich unterschiedlichen Männergeschmack, aber in einem konnten sie sich relativ schnell einig werden. So bezaubernd die Atmosphäre des Cafés war, das sie betraten, worin die Zeit stehen geblieben schien wie in einem Museum, so sicher waren sich die beiden, dass sie Rick alias Richard Blaine, verkörpert von Humphrey Bogart nicht attraktiv finden würden.

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