Der letzte Tag des Jahres. Silvester 2017. Am 2. Januar 2014 um 01:55:33 Uhr startete der kafkASKe Fortsetzungsroman SOKRATES. Heute am 31. Dezember 2017 um 01:45 Uhr kommt die 350. Folge: DER SPRECHENDE DELPHIN...

Uri Bülbül
Der sprechende Delphin, Basti @Maulwurfkuchen hörte plötzlich aus den Tiefen des Sees ein entferntes Violinspiel. Schnell schwamm er aber noch einmal an die Wasseroberfläche, holte zu einem hohen kräftige Sprung aus, drehte eine Pirouette und rief lachend den Seeräubern auf der „Bunten Kuh“ zu: «Adieu, ihr lustigen und ehrbaren Freunde, ihr Lieben, ihr alle!» Er wollte eigentlich noch etwas hinzufügen, aber da klatschte er wieder auf die Wasseroberfläche und tauchte tief und tiefer ab. Der kopflose Kapitän winkte in die falsche Richtung. Aber Abschied war Abschied. Der Klang der Violine wurde lauter und der Delphin schien ihm immer näher zu kommen, je tiefer er tauchte. Es musste eine besonders tiefe Stelle sein; denn es ging tiefer, ohne dass der Grund überhaupt sichtbar wurde. Ein Gurgeln mischte sich zur Musik. Basti wurde von einem Sog erfasst wie auf einer Wasserrutsche im Schwimmbad. Er widerstrebte nicht. Aber der Sog wäre sowieso stärker gewesen. Es war ihm klar, dass Nadia ihn sehen wollte. So zog es ihn durch schier schwarzes Gewässer in einer unwiderstehlichen Strömung, riss ihn fort in unermessliche Tiefen. Die Violine wurde lauter und lauter und bald hörte Basti ein Rauschen und Plätschern wie bei einem Wasserfall. «Oh nein!» blitzte in diesem Moment die Erkenntnis in ihm auf: «Nicht schon wieder! Ich werde wieder in Nadias Badewanne landen. Aber ich kann nichts dafür. Ich mache das nicht mit Absicht. Ich war doch gerade eben noch im Bassin des Hattinger Waldes bei den Seeräubern. Das habe ich mit Absicht gemacht. Aber das jetzt, das mache ich nicht mit Absicht!» Nadia ließ sich ein Bad ein, sie wollte für sich allein sein und ihren Gedanken und Träumen nachhängen völlig ungestört. Zuvor hatte sie Geige geübt, und während die Badewanne voll lief übte sie noch ein paar Takte. Es hatte ja keinen Sinn untätig dem Wasser zuzusehen, obwohl sie auch dabei ganz gut entspannen konnte. Endlich legte sie ihre Geige beiseite, entspannte den Bogen und legte ihn neben ihre Geige. Gerade in dem Moment, in dem sie das Ba betrat, konnte sie sehen, dass etwas aus dem großen plätschernden Wasserhahn in die Wanne fiel. Kurz zuckte sie zusammen, aber noch bevor sie genau hinsah und erkannte, was es war, hatte sie schon die richtige Ahnung. «Du kannst froh sein, dass ich nicht in der Wanne liege. Dieses Mal hätte ich es dir nicht verziehen! Du belästigst mich in meinem eigenen Badezimmer!» Der süße kleine Delpin, etwa doppelt so groß wie eine mittelgroße Quitscheente tauchte auf. «Das habe ich doch nicht mit Absicht getan!» rief er. «Ich war bei der „Bunten Kuh“, habe die Seeräuber besucht, wollte eigentlich auch nach Bellarosa sehen und mit ihr reden. Ich glaube, es geht ihr nicht gut. Als wir bei ihr geschlafen haben, hat sie in der Nacht furchtbar geschrien.» «Ja, ja, ich weiß, ich weiß», sagte Nadia nachdenklich. Dann plötzlich wieder streng: «Aber das erklärt noch lange nicht, warum du in meiner Badewanne landest – schon zum zweiten Mal!»

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